30 Jahre Internet

World Wide Web: Nach 30 Jahren blickt Gründer Tim Berners-Lee zurück

Britta Tästensen
Apenrade/Aabenraa
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Internet-Gründer Tim Berners-Lee Foto: Rick Friedmann/Scanpix Ritzau

Der Internet-Gründer Tim Berners-Lee hat am 30. Jahrestag des World Wide Web einen Brief veröffentlicht, in dem er darüber reflektiert, wie das Netz die Welt verändert hat und wie wir in Zukunft damit umgehen sollten.

Am 30. Jahrestag des World Wide Web hat der Gründer des Internets, Tim Berners-Lee, auf der Webseite der „World Wide Web Foundation“ einen Brief veröffentlicht. Berners-Lee leitet den Brief wie folgt ein: „Heute, 30 Jahre nach meinem ursprünglichen Vorschlag für ein Informations-Management-System ist die halbe Welt online. Es ist ein Moment zu feiern, wie weit wir es geschafft haben. Es ist aber auch eine Möglichkeit, darüber zu reflektieren, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.“

Das Netz ist ein öffentlicher Ort, eine Bibliothek, eine Arztpraxis, ein Geschäft, eine Schule, ein Kino, eine Bank und so viel mehr geworden, so Berners-Lee in seinem offenen Brief. Mit jeder neuen Eigenschaft und mit jeder neuen Webseite vergrößere sich jedoch die Kluft zwischen denjenigen, die das Internet nutzen und denjenigen, die es nicht nutzen. Dieser Aspekt mache es umso notwendiger, das Web für alle zugänglich zu machen.

Das Internet habe Möglichkeiten geschaffen, marginalisierten Gruppen eine Stimme gegeben und den Alltag vieler Menschen vereinfacht. Dennoch schaffe es für Schwindler zu viele Möglichkeiten, es gebe denjenigen eine Stimme, die Hass verbreiten, und vielerlei kriminelle Handlungen seien durch das Internet einfacher zu begehen.

„Angesichts der Artikel über den Missbrauch des Webs ist es verständlich, dass viele Leute sich sorgen und unsicher sind, ob das Web wirklich einen positiven Einfluss hat", heißt es im Brief von Berners-Lee. Allerdings schreibt er auch, dass es in Anbetracht dessen, wie viel das Internet in den vergangenen 30 Jahren verändert habe, auch pessimistisch und einfallslos sei, davon auszugehen, dass sich das Internet in den nächsten 30 Jahren nicht zum Besseren entwickeln könne.

Interessenvertreter sollen eingreifen

Laut Berners-Lee sei es die Aufgabe von nationalen Interessenvertretern, einzugreifen. Regierungen sollten gesetzliche Bestimmungen in das digitale Zeitalter übersetzen. Sie müssten versichern, dass Märkte konkurrenzfähig, innovativ und offen bleiben. Ferner haben sie die Verantwortung, die Rechte und Freiheiten von Menschen im Netz zu beschützen, so Berners-Lee.

Auch Firmen werden von dem Internet-Gründer angesprochen. „Unternehmen müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass ihr Streben nach schnellem Gewinn nicht auf Kosten von Menschenrechten, Demokratie, wissenschaftlichen Fakten und öffentlicher Sicherheit geht.“

Als wichtigsten Aspekt spricht Berners-Lee schließlich die Bürger an: „Vor allem müssen die Bürger Unternehmen und Regierungen für die eingegangenen Verpflichtungen verantwortlich machen und dabei fordern, dass diese das Web als eine globale Gemeinschaft, mit Bürgern im Mittelpunkt, respektieren. Wenn wir keine Politiker wählen, die ein freies und offenes Internet verteidigen, wenn wir nicht dazu beitragen, konstruktive gute Online-Gespräche zu pflegen, und wenn wir weiterhin auf Zustimmungen klicken, ohne dass dabei unsere Datenrechte respektiert werden müssen, gehen wir von unserer Verantwortung weg, diese Themen auf die priorisierte Tagesordnung unserer Regierungen zu setzen.“

Tim Berners-Lee schließt seinen Brief mit der Anmerkung ab, dass das Web für alle ist und dass, obwohl dies nicht einfach sei, wir alle gemeinsam die Macht haben, es zu verändern. „Wenn wir ein bisschen träumen und viel arbeiten, können wir das Web bekommen, das wir wollen“.

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