Haus und Garten

Übersehene Schönheiten im Blick

Übersehene Schönheiten im Blick

Übersehene Schönheiten im Blick

Hadersleben/Haderslev
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Erika Hallmann hat das Fotografieren von Pflanzen erst vor drei Jahren als Hobby für sich entdeckt. Foto: Karin Riggelsen

Erika Hallmann schaut ganz genau hin – und fotografiert dann die Details von Pflanzen. Jetzt im Herbst sind es vor allem die Samenstände, die die 83-Jährige faszinieren.

In ihrem eigenen Garten fing es an. Dass sie ganz genau hingeschaut hat. Zum Beispiel um zu entdecken, was der Nebel auf den Blüten der Blumen bewirkt hat, wie sich die Pflanzen verändern, sich im Herbst die Samenstände entwickeln. Und dann begann sie, „die oft übersehenen Schönheiten“, wie Erika Hallmann sagt, mit ihrer Kamera einzufangen. „Ich muss immer viele Fotos machen, damit eines was wird“, sagt sie bescheiden. Motive findet die 83-Jährige in ihrem Garten reichlich. Denn: „Etwas blüht immer“, versichert sie, „obwohl es kein Vorzeigegarten ist.“

Verblühte Clematis und Tautropfen – eine beeindruckende Kombination Foto: Erika Hallmann

Doch mit der kleinen digitalen Kompakt-Kamera, „die nicht so schwer ist und beim Fahrradfahren gut in die Anoraktasche passt“, unternimmt sie auch öfter Fahrten in die Natur – besonders nördlich der Förde, die sie im Laufe der vergangenen Jahre immer besser kennengelernt hat. „Die Augen habe ich dabei fast immer am Wegesrand. Und wenn ich etwas Interessantes sehe, steige ich ab und fotografiere es.“

Die Samen der Canna befinden sich in dekorativen Kapseln. Foto: Erika Hallmann

Die Details sind es, die Erika Hallmann begeistern und auf die sie ihre Kamera richtet: etwa auf die filigranen Flugschirme des Löwenzahns, hinter denen sich ein Marienkäfer versteckt; die Samen der Malve, die sich noch in ihrer pflanzlichen Hülle zusammenkauern – oder die Stockrosen, deren Nachkommen so perfekt nebeneinanderliegen, als wären sie eine ganze Mannschaft von Synchronspringern kurz vor dem Abflug.

Die Stockrosensamen liegen so perfekt nebeneinander, als wären sie eine ganze Mannschaft von Synchronspringern kurz vor dem Abflug. Foto: Erika Hallmann

Es ist schön zu sehen, dass man im Garten etwas hat, das auch den kleinen Tieren gefällt.

Erika Hallmann

Eine Lieblingspflanze hat Erika Hallmann nicht – obwohl: Das Blau der Borretschblüten mag sie besonders gern. „Und wenn sich die Feuchtigkeit auf den Härchen der Pflanze verfängt. Und die vielen Hummelarten, die vom Borretsch angelockt werden. Es ist schön zu sehen, dass man im Garten etwas hat, das auch den kleinen Tieren gefällt. Das wird mir immer wichtiger, das ist immer öfter im Hinterkopf.“


Diese Schönheit im Kleinen hat Erika Hallmann auch auf vielen Reisen zusammen mit ihrem Ehemann Dieter Hallmann im Bild festgehalten. „Dann fotografiere ich zum Beispiel einen besonderen Türrahmen, weiß aber nicht, wie das Haus aussah. Die große Übersicht hat dann mein Mann.“ Von den Reisen in sehr viele Länder hat sie auch zahlreiche Fotos von einheimischen Märkten mit ihren Früchten und von besonderen Pflanzen mitgebracht.

Die gespeicherten Pflanzenbilder schaut Erika Hallmann fast täglich an. Foto: Karin Riggelsen

Motive suchen, finden, fotografieren und am Computer immer wieder ansehen – das hat sich für die Haderslebenerin zu einer richtigen Leidenschaft entwickelt. „Dieses Hobby habe ich erst spät in meinem Leben entdeckt. Vor drei Jahren etwa. Ich finde es unglaublich bereichernd und kann mich sehr darüber freuen.“


Bei regnerischem Wetter ziehe es sie allerdings nicht vor die Tür, um ihre Bildersammlung zu vergrößern. „Dann leide ich“, sagt Erika Hallmann halb im Scherz, die in Lügumberg (Løgum Bjerge) bei Lügumkloster (Løgumkloster) geboren wurde und nach mehreren Lebensstationen seit 1961 in Hadersleben wohnt. Viele Jahre hat sie als Lehrerin an der dortigen deutschen Schule gearbeitet.


„Die Natur hat sehr beruhigende und heilende Kräfte. Sich in ihr zu beschäftigen, entspannt mich und macht mir Freude. Bei mir geht viel über die Augen, und ich finde es schön, wenn auch andere Leute das Kleine sehen und schätzen.“

Montbrezien gehören zu den Irisgewächsen. Foto: Erika Hallmann

Für neue Fotomotive im kommenden Jahr ist bei Erika Hallmann jetzt schon gesorgt. Zum Geburtstag hat ihr Mann ihr Tulpenzwiebeln geschenkt. „Rund 200 Stück. Inklusive Einpflanzen“, sagt sie lachend.

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