Deutschland-Serbien

Länderspiel-Skandal: Rassismus im Stadion

Gregory Straub, SHZ
Wolfsburg
Zuletzt aktualisiert um:
Leroy Sané wird auf den Zuschauerrängen beleidigt. Ein Journalist auf den Rängen berichtet. Foto: dpa

Einige deutsche Zuschauer haben beim Testländerspiel gegen Serbien Leroy Sané und Ilkay Gündogan beleidigt. Außerdem fallen Worte wie 'Heil Hitler'.

Das Länderspiel zwischen Deutschland und Serbien in der Wolfsburger Volkswagen Arena wird für den Journalisten André Voigt ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Jedoch nicht im positiven Sinne.

Der Chefredakteur des Basketball-Magazins "Five" wurde auf der Tribüne des Stadions gemeinsam mit seiner Familie Zeuge übelster rassistischer Beschimpfungen gegen einige deutsche Nationalspieler. Voigt war dermaßen schockiert über die Geschehnisse, dass er das Erlebte am späten Mittwochabend über ein Facebook-Live-Video teilte.

In dem knapp vierminütigen Video erzählt Voigt sichtlich bewegt, wie er den Abend eigentlich entspannt mit seiner Frau und seiner Tochter im Stadion verbringen wollte, ehe er auf Pöbeleien von hinter ihm sitzenden jungen Männern aufmerksam wurde.

"Hinter uns saßen Leute, die vielleicht nicht unbedingt wegen des Fußballs kommen, sondern wegen der Getränke. Da waren drei Jungs, die waren gut dabei und haben in der ersten Halbzeit einfach viel Scheiße erzählt", leitet er das Video ein. "In der zweiten Halbzeit ging es dann in eine ziemlich kranke Richtung. Immer wenn Leroy Sané am Ball war, war vom Neger die Rede oder vom Affenmenschen", berichtet Voigt. "Und immer wieder hieß es Neger, Neger, Neger, Neger. Gündogan war der Türke."

Nachdem Voigt die drei Typen direkt ansprach und fragte, ob sie denn alle Rassisten seien, schaukelte sich die Situation hoch. Er wurde beschimpft und bepöbelt, berichtet er. Besonders geschockt habe ihn "dieses totale Fallenlassen jeglicher Menschlichkeit", so wie man es eigentlich nur aus anonymen Foren im Internet kenne.

"Es ging mit 'Heil Hitler' weiter"

"Plötzlich war das hinter mir ein AfD-Parteitag, so klar muss man das sagen. Da ging es dann los mit: 'Unsere Frauen werden vergewaltigt und das ist okay für einen wie dich. Beim G20-Gipfel brennen die Autos und das ist okay für dich'", erzählt Voigt, der in diesem Moment vor lauter Fassungslosigkeit seine Stimme für einen Moment verliert und mit den Tränen kämpft.

Besonders schockierend war für Voigt in dieser Situation die Teilnahmslosigkeit der anderen Leute. "Keiner hat irgendwas gesagt. Es ging mit 'Heil Hitler' weiter.“ Eine Frau habe den drei jungen Männern sogar zugestimmt, dass momentan was schief laufe in Deutschland. "Das hat sich bis zum Spielende durchgezogen. Einmal hieß es noch: 'Wir brauchen wieder einen kleinen Österreicher.'"

Drohungen gegen zweijährige Tochter

Gegen Ende des Videos kann Voigt seine Tränen nicht zurückhalten. "Du sitzt da mit deiner zwei Jahre alten Tochter und denkst dir: 'Alter, wo geht das hin? Und warum sagt keine Sau irgendwas?' Das schockt mich fast noch mehr, als dass es diese Idioten gibt", erläutert Voigt, der sein Video mit einem Aufruf beendet: "Wenn ihr so etwas erlebt, sagt einfach was! Wenn nie einer was sagt, dann geht das immer so weiter."

Das Video wurde bei Facebook bis Donnerstagnachmittag weit über 170.000 Mal aufgerufen. Neben tausenden Likes erhielt Voigt aber auch zahlreiche Beschimpfungen. Bei Twitter setzte er am Donnerstag zunächst einen Post ab mit den Worten "Jetzt kommt der Hass."

Später musste Voigt seine Nachrichten blockieren, da Drohungen in Richtung seiner kleinen Tochter ausgesprochen wurden.

Der DFB gab am Donnerstag ein Statement heraus, in dem er die Vorfälle in Wolfsburg "auf Schärfste" verurteilte. Wie Basketball-Experte Voigt in einem Interview mit "11 Freunde" erklärte, habe sich der DFB bei ihm gemeldet, um bei der Aufklärung der Tat mitzuwirken.

Die Polizei in Wolfsburg hat mittlerweile Ermittlungen eingeleitet, wie die dpa berichtet. Es habe mehrere Hinweise, unter anderem vom Deutschen Fußball-Bund, gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. "Wir prüfen das jetzt und stimmen die möglichen nächsten Schritte ab", ergänzte er.

Mehr lesen

Leserbrief

Lone Ravn
„Suppen kan blive for tynd“