Deutsch-dänische Vergangenheit

Ein Stück Geschichte: Als die Dänen Föhr regierten

Ein Stück Geschichte: Als die Dänen Föhr regierten

Ein Stück Geschichte: Als die Dänen Föhr regierten

Karin de la Roi-Frey/shz.de
Föhr
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Ein Denkmal am Nieblumstieg erinnert an die Dänenzeit. Foto: Petra Kölschbach

Der Westen der Insel gehörte zum Königreich, der Osten zum Herzogtum Schleswig – „Chef“ von beiden war der Dänenkönig.

Nur ganz wenige deutsche Territorien wie das über Jahrhunderte „heiß umstrittene“ Schleswig-Holstein können eine so „bunte, bewegte Geschichte“ aufweisen, heißt es in einem Standardwerk zur Landesgeschichte. Und genau dieser harmlos klingende Satz brachte Generationen von Geschichtsstudenten zur Verzweiflung. Und nicht nur sie. Auch ein Politiker, seines Zeichens immerhin britischer Premierminister im 19. Jahrhundert, gab zu, dass die schleswig-holsteinische Frage überhaupt nur von drei Menschen verstanden worden sei. Zu denen sollen Queen Victorias Ehemann Albert und ein deutscher Gelehrter gehört haben, der darüber allerdings verrückt geworden sei, und er selbst, der Premierminister. Er aber habe „die Sache leider vergessen“.

Auf Föhr manifestierte sich diese „bunte, bewegte Geschichte“ Schleswig-Holsteins in zwei Begriffen: Osterland- und Westerlandföhr. Diese Teilung blieb über Jahrhunderte in den Köpfen so mancher Inselmenschen gespeichert, ging ein ins kollektive Gedächtnis bis in die heutige Zeit. Und wenn manche auch nicht von Teilung sprechen möchten, so war es auf jeden Fall eine verwaltungsmäßige Gliederung, die 1231 im Erdbuch von König Waldemar II., der von 1202 bis 1241 regierte, erstmals schriftlich manifestiert wurde. Etwa 150 Jahre später trat Königin Margarethe I. das Herzogtum Schleswig und damit die friesischen Uthlande dem Grafen Gerhard VI. von Holstein ab – mit Ausnahme von Westerlandföhr, Amrum und dem Listland auf Sylt. Sie unterstanden damit bis 1864 dem Königreich Dänemark direkt, was ihren Bewohnern die Bezeichnung „Königsfriesen“ eintrug. Nicht immer war das nett gemeint.

Das Denkmal erinnert an einen Besuch von König Frederik VI. im Jahr 1824 auf Föhr. Foto: Petra Kölschbach

Osterlandföhr mit dem Flecken Wyk bildete nun eine eigene Landschaft mit einer relativ eigenständigen Struktur, der ein Landvogt vorstand. Das zuständige Amt war das nordschleswigsche Tondern, bis 1721 die Ära der Gottorfer Herzöge endete. Damit unterstand nun ganz Föhr dem dänischen König, der in Personalunion auch Herzog von Schleswig war und seine „Herzogsfriesen“ in ihrem Seebad Wyk gerne zur Sommerfrische besuchte. Das war dann die berühmte „Königszeit“ für den kleinen Ort, in dem man aber weiterhin Wert darauf legte, keine „Königsfriesen“ zu sein, denn – so die Begründung – der dänische König kam ja eigentlich als Herzog von Schleswig zu Besuch.

Einen einfachen Einblick in die komplizierte Geschichte des Landes erhielten Kurgäste in den 1950-er Jahren, die Quartier bei „Oma Jürgens“ in der Wyker Badestraße 92 genommen hatten. Die 1892 geborene Catharina Jürgens erzählte den erstaunten Föhr-Urlaubern, sie sei in ihrem ganzen Leben nur zweimal in Utersum gewesen und fragte entrüstet, warum sie denn überhaupt dahin fahren solle, das liege schließlich auf Westerlandföhr. Auf den Hinweis, das seien ja nur zwölf Kilometer, antwortete „Oma Jürgens“, das sei unerheblich. Denn Westerlandföhr habe einst zum Kronland des dänischen Königs gehört, während ihre Heimat Osterlandföhr zum Herzogtum gehörte.

Amerika, wo sie einige Jahre bei Verwandten verbracht hatte, schien da irgendwie näher zu liegen.

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