Covid-19

Mutierte Coronaviren: Alle Nerze werden getötet

Mutierte Coronaviren: Alle Nerze werden getötet

Mutierte Coronaviren: Alle Nerze werden getötet

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Das Coronavirus befällt Menschen und Nerze. In den Tieren hat man nun Mutationen festgestellt, die eine kommende Impfung abschwächen oder gar wirkungslos machen könnten. Von Dänemark könnte dann eine neue Pandemie ausgehen. Deshalb werden alle Tiere in Dänemark getötet. Foto: Karin Riggelsen

Dem Staatlichen Serum Institut zufolge mutiert das Coronavirus in Nerzen. Dies könnte negative Auswirkungen auf eine kommende Impfung haben. Regierungschefin Mette Frederiksen gab am Nachmittag bekannt: Alle Nerzbestände im Land sollen gekeult werden.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag hat Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) bekannt gegeben, dass alle Nerze auf dänischen Farmen getötet werden. Sie sagte, das Virus mutiere in Nerzen und verbreite sich dann in Menschen. Die Situation sei sehr, sehr ernst. Es bestehe das Risiko, dass eine kommende Impfung nicht wirken könne. Die Regierung trage nicht nur die Verantwortung für die dänische Bevölkerung, sondern auch für die Menschen weltweit. Es sei Zeit für einen resoluten Einsatz.

Mølbak: Situation besorgniserregend

Der Chef des Staatlichen Serum Instituts, der dänischen Seuchenschutzbehörde (SSI), Kåre Mølbak, sagte, eine Impfung verliere nicht sofort ihre Wirkung, doch wenn ein solches Virus sich noch weiter ändere, dann sei das sehr besorgniserregend. Er machte deutlich: Im schlimmsten Fall könne von Dänemark eine neue Pandemie ausgehen, wenn das Land das Problem nicht in den Griff bekomme.

Zuvor hatte der Sender „TV 2“ berichtet, dass alle Nerze in dänischen Zuchtanlagen getötet werden sollen. Auch die Zeitung „Berlingske" berichtete dies im Vorfeld der Pressekonferenz.

Bedauern gegenüber Nerzzüchtern

Frederiksen bedauert gegenüber den Nerzzüchtern, diesen Beschluss treffen zu müssen. Sie stellte in Aussicht, dass auf Kommunen, in denen das Virus mutiert ist, weitere Restriktionen zukommen. Es geht um Kommunen in Nordjütland unter anderem Jammerbugt, Hjørring, Frederikshavn und Læsø.

Zurzeit gibt es in Nordjütland zwölf Personen, bei denen ein solches mutiertes Coronavirus festgestellt wurde. Unklar ist zur Stunde, welche zusätzlichen Restriktionen dort eingeführt werden. Diese sollen Donnerstag präsentiert werden.

Laut Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) deutet nichts darauf hin, dass diese Personen einen im Vergleich ernsteren Verlauf der Krankheit zeigen.

Schließung der Farmen nicht endgültig, aber für Jahre

Nahrungsmittelminister Mogens Jensen (Soz.) sagte, die Entscheidung bedeute die Schließung der Nerzfarmen für eine Reihe von Jahren. Ziel der Regierung sei aber nicht, die Nerzzucht für immer zu verbieten.

Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) führte aus, das Staatliche Serum Institut (SSI) habe Mutationen in Proben von fünf Nerzfarmen gefunden. Untersuchungen hätten gezeigt, dass diese Mutationen die aktuellen Kandidaten der Impfungen beeinflussen können. Dem Minister zufolge wurde die Weltgesundheitsbehörde WHO informiert.

Nerzzucht: Dänemark weltweit führend

Laut Nahrungsmittelbehörde hat sich das Virus mittlerweile in 207 Nerzfarmen verbreitet. 67 Farmen haben ihre Bestände gekeult. Infektionsverdacht besteht bei 23 Farmen. Der Nachrichtenagentur „Ritzau“ zufolge gibt es in Dänemark mehr als 1.100 dieser Zuchtanlagen – auch in Nordschleswig. Dänemark ist weltweit führend in der Nerzzucht.

Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) nahm an dem Treffen virtuell teil, da sie sich in selbst gewählter Quarantäne befindet und auf das Ergebnis eines Corona-Tests wartet.

Sie saß kürzlich während einer Sitzung neben Justizminister Nick Hækkerup (Soz.), der sich mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Von den Mutationen des Virus in Nerzen berichtete im Vorfeld die Zeitung „Politiken“, die Zeitung bezieht sich auf ein unveröffentlichtes Notat des Staatlichen Serum Instituts der dänischen Seuchenschutzbehörde.

In dem Notat, das am Dienstag dem Gesundheitsministerium übergeben wurde, steht laut „Politiken“, dass das Virus sich in zehn infizierten Personen aus Nordjütland so verändert hat, dass der erfolgreiche Kampf gegen das Virus in Gefahr gerät.

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