Volksschulen

Ministerin: Mehr Bücher statt Tablet

Ministerin: Mehr Bücher statt Tablet

Ministerin: Mehr Bücher statt Tablet

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup
Kopenhagen
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Foto: Daniel Romero/Unsplash

Die dänische Unterrichtsministerin fordert ein Comeback der Schulbücher. Es müsse ein Gleichgewicht zwischen digitalen und physischen Lehrmitteln geben, meint sie. An den deutschen Schulen gehen Tablets und Bücher schon jetzt Hand in Hand.

Wenn haufenweise Schulbücher weggeworfen werden und Schüler ohne ein einziges Buch im Schulranzen zur Schule gehen, dann ist die digitale Begeisterung zu weit gegangen. Das meint die dänische Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Sozialdemokraten), die nun das Problem der digitalen Lehrmittel aufgreifen möchte. Das berichtet die Tageszeitung „Politiken“.

„Wir sind mit der Digitalisierung zu weit gegangen. Es ist ja nicht so, dass das Tablet eine Antwort auf alle Fragen im Unterricht hat“, so die Ministerin. Sie verweist auf eine Analyse des Ministeriums, die zeigt, dass Tablets den besten Effekt in Kombination mit Schulbüchern zeigen.

In einigen Schulen sei die Entwicklung im Bereich der Digitalisierung so weit fortgeschritten, dass 85 Prozent des Unterrichts mit Tablet-Computern unterrichtet werden. „Wir können nun auch die Leselust der Schüler analysieren. Und wenn sie Bücher auf einem Bildschirm lesen, dann reduziert das zugleich die Lust der Schüler am Lesen “, erklärt Rosenkrantz-Theil.

Deshalb werde sie nun Vertreter des kommunalen Landesvereins (KL), des Lehrervereins und IT-Fachleute zu einem Treffen bitten, wo diskutiert werden kann, wie man mehr Gleichgewicht zwischen Tablets und Büchern im Schulunterricht schaffen kann.

Ein Vorhaben, das laut Jeanette Sjøborg, Vorsitzende des Unterrichtsausschusses des Lehrervereins, positiv zu bewerten ist. Auch bei KL wird die Initiative der Ministerin laut „Politiken“ begrüßt.

DSSV-Schulen

Auch in den Klassenzimmern der deutschen Schulen in Nordschleswig gehören Laptops, Tablets und Smartboards zum Unterricht dazu. Doch trotzdem sollten die Bücher laut der Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV), Anke Tästensen, nicht aus dem Unterricht verbannt werden.

„Ich halte viel von einer Kombination aus Schulbüchern und digitalen Lehrmitteln“, so Tästensen. Ihr zufolge seien diese gang und gäbe in den Schulen. „Die Jugendlichen holen sich ihre Informationen aus den Medien“, betont sie.

Eine digitale Strategie für die Schulen habe der DSSV nicht. „Wir haben Fachausschüsse, die sich mit dem Thema befassen. Sie passen das Integrieren digitaler Lehrmittel auf die einzelnen Fächer an“, so die Schulrätin.

Auch vom Ministerium werden keine Anforderungen im Bereich der digitalen Lehrmittel gestellt. „Es ist nicht vorgeschrieben, in welchem Umfang mit Tablets gearbeitet werden muss. Bei uns bestimmen die Lehrer selbst, inwiefern sie das digitale Angebot nutzen“, erklärt Tästensen.

Projekt zur digitalen Bildung

Die Kommune Apenrade unterstützt derzeit mit 15 Millionen Kronen ein mit der Bildungsinstitution UC Syd gemeinsames Projekt zur digitalen Bildung in den Volksschulen. Das Ziel ist laut Rasmus Andreassen, Leiter der Abteilung für Schule und Unterricht der Kommune Apenrade, mehr über die digitalen Lehrmittel zu lernen und zu erfahren, wann diese nützlich und sinnvoll sind.

„Die digitalen Hilfsmittel sind gekommen, um zu bleiben. Ich bin aber der Meinung, dass wir uns damit kritisch auseinandersetzen müssen und überlegen, ob wir denn ein Tablet für alles verwenden können“, so Andreassen. „Das Reflektieren über solche Hilfsmittel ist ungemein wichtig. Deshalb wollen wir zusammen mit der UC Syd unseren Lehrern das Denken in digitale Lehrmittel erleichtern“, betont er.

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