Corona-Krise

Urlaubsgeld-Auszahlung: Viele sind noch unsicher

Urlaubsgeld-Auszahlung: Viele sind noch unsicher

Urlaubsgeld-Auszahlung: Viele sind noch unsicher

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Großeinkauf im Einrichtungshaus: Das Urlaubsgeld soll es möglich machen. (Symbolfoto) Foto: Neil Hall/Ritzau Scanpix

Dänemarks Lohnempfänger sollen Geld in die Hand bekommen, um die Corona-Krise abzumildern. Doch bisher sind erst 55 Prozent dazu bereit, das Geld im Oktober anzufordern.

So wird das Urlaubsgeld ausgezahlt

Am 17. August hat das Folketing beschlossen, dass bis zu drei Wochen der eingefrorenen Urlaubsguthaben ausgezahlt werden können.

Ab Anfang Oktober und bis zum 1. November kann das Geld auf borger.dk beantragt werden. Eine schriftliche Erinnerung in der digitalen öffentlichen Mailbox e-Boks erfolgt nicht.

Das Geld soll spätestens zwei Wochen später überwiesen sein.

Das Geld wird als gewöhnliches Einkommen besteuert.

Wer das Geld nicht ausgezahlt haben möchte, bekommt es beim Erreichen des Rentenalters oder wenn man in den Vorruhestand geht ausgezahlt.

Quellen: Beschäftigungsministerium, AFP

55 Prozent der Berechtigten wollen sich das eingefrorene Urlaubsgeld auszahlen lassen, wenn anfang Oktober die Kassen geöffnet werden. Das zeigt eine Umfrage von Voxmeter im Auftrag der Nachrichtenagentur Ritzau.

Weitere rund 20 Prozent sind sich der Umfrage zufolge noch unsicher, ob sie das Geld abrufen wollen.

Bei den Mitteln handelt es sich um in Geld umgerechnete Urlaubsansprüche von Arbeitnehmern. In Dänemark wurde der Erwerb von Urlaubstagen kürzlich von einem jährlichen auf den in der EU üblichen monatlichen Berechnungszeitraum umgestellt, wodurch ein Überhang entstand.

Diese eingefrorenen Beträge sollen im Oktober als Konjunkturmaßnahme an alle ausgezahlt werden, die dies wünschen.

Eine „Mohrrübe“ für die Verbraucher in Dänemark

Die Verbraucherökonomin Ann Lehmann Erichsen von der Großbank Nordea ist nicht verwundert darüber, dass viele noch unentschlossen sind, ob sie von dem Angebot Gebrauch machen wollen.

„Wenn wir den Oktober erreichen und ganz konkret ja zu dem Geld sagen können, werden viele der Zweifler es annehmen“, sagt sie.

„Derzeit ist es noch zu abstrakt und deshalb wissen viele es noch nicht. Aber wenn die Mohrrübe gleich vor der Nase liegt, wird es leichter, ja zu sagen“, so Erichsen.

Ökonomen rechnen mit Konjunkturschub

Die Nationalbank schätzt, dass, wenn sich 75 Prozent der Berechtigten das Geld auszahlen lassen und davon 60 Prozent in den Verbrauch gehen, der Privatkonsum in Dänemark mit etwa 13 Milliarden Kronen angekurbelt wird.

Zahlen, die die aktuelle Umfrage bestätigt. „Das heißt, dass wir einen ganz netten Schub in der ökonomischen Aktivität im Herbst und Frühjahr sehen könnten“, sagt der Wirtschaftsprofessor Michael Svarer von der Uni Aarhus.

Von den Befragten, die angaben, sich das Geld auszahlen lassen zu wollen, haben 56 Prozent angegeben, dass sie sich davon etwas kaufen wollen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 17. und dem 21. September durchgeführt und beruht auf den Antworten von 1.060 repräsentativ ausgewählten Personen, die in der Zeit, in der das eingefrorene Urlaubsgeld erworben wurde, in Arbeit waren.

Finanzministerium sieht viele neue Jobs

„Wenn fast 60 Prozent sagen, dass sie von dem Geld etwas kaufen wollen, dann schafft man in der Wirtschaft eine gesteigerte Nachfrage. Das bedeutet, dass einige Unternehmen mehr Leute brauchen und dann gibt es mehr Jobs“, so Svarer.

Die Berechnungen der Nationalbank zum Konsumverhalten beruhen auf den Erfahrungen aus einer ähnlichen Konjunkturmaßnahme aus der Finanzkrise, der sogenannten SP-Ordnung. Damals sollte die Auszahlung angesparten Rentengeldes die Wirtschaft ankurbeln. Es zeigte sich, dass 60 Prozent der Mittel in den Konsum gingen.

Argumente aus staatlicher Sicht gegen die aktuelle Maßnahme sieht Svarer nicht: „Das Geld gehört ja den Leuten, die Belastung für die öffentlichen Finanzen ist also äußerst gering.“

Im Juni veröffentlichte das Finanzministerium eine Schätzung, nach der die Auszahlung kurzfristig bis zu 7.000 Jobs schaffen könnte.

Wie es derzeit aussieht, sollen drei der insgesamt fünf angesparten Urlaubswochen ausgezahlt werden. Doch im Folketing hat sich laut „TV2“ eine Mehrheit ausßerhalb der Minderheitsregierung gebildet, die fordert, dass sämtliche fünf Wochen ausbezahlt werden. Die Regierung ist den Berichten zufolge zu Verhandlungen bereit.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Es bleibt sitzen“