Corona-Maßnahmen

Professor: Nerzkeulung soll Impfstoff sichern

Professor: Nerzkeulung soll Impfstoff sichern

Professor: Nerzkeulung soll Impfstoff sichern

Ritzau/Walter Turnowsky
Kopenhagen
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Sämtliche Nerze sollen so schnell wie möglich gekeult werden. Foto: Marius Renner/Ritzau Scanpix

Eine Mutation könnte einen Corona-Impfstoff unwirksam machen. Mette Frederiksen verspricht Hilfen für die Züchter.

Dänemark als Brutstätte einer weiteren Pandemie mit einer neuen Mutation des Corona-Virus. Dies ist das Schreckensszenario, das die Regierung mit ihrem dramatischen Beschluss, sämtliche Nerze zu töten, zu verhindern versucht.

„Es ist nicht so, dass man durch die Nerzvariante stärker erkrankt. Es ist die Perspektive der Sache“, erläutert Lars Erik Larsen, Professor für Veterinärvirologie an der Kopenhagener Universität.

„Sollte diese Variante sich verbreiten, dann wird ein kommender Impfstoff für einen gewissen Teil der Bevölkerung unwirksam sein.“

Unwirksame Antistoffe

Der Professor meint, die dramatische Maßnahme werde auf der Grundlage eines „Vorsichtsprinzips“ ergriffen.

Forscher haben nachgewiesen, dass die besondere Variante des Virus in geringerem Maße auf Antistoffe reagiert. Diese Antistoffe bilden die Grundlage für einen kommenden Impfstoff.

Sollte eine Variante des Virus gar nicht auf die bisher gebildeten Antistoffe reagieren, so würde die Welt einem neuen Corona-Virus gegenüberstehen. Damit müsste auch ein neuer Impfstoff entwickelt werden.

„Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass wir mit einem völlig neuen Virus umgehen müssten“, so Larsen.

Züchter sehen Enteignung

Der Beschluss, sämtliche Nerze zu keulen, sei eine Katastrophe für die Branche und für Dänemark, so der Vorsitzende des Verbandes der Nerzzüchter, Tage Pedersen.

„Wir wollen selbstverständlich nicht die Ursache einer neuen Pandemie sein. Wir kennen aber die Grundlage dieses Beschlusses und auch das Risiko nicht“, so Pedersen.

„Der Beschluss bedeutet de facto eine permanente Schließung und Abwicklung des Pelztiergewerbes, und wir sehen es als eine Enteignung sämtlicher Betriebe.“

Vage Versprechen

Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) verspricht Hilfen, bleibt jedoch vage in ihren Versprechen.

„Viele von euch verlieren nicht allein euren Lebensunterhalt, sondern ein ganzes Lebenswerk. In einigen Fällen ist es das Werk einer Familie, dass von Generation zu Generation weitergegeben worden ist. Auch wenn es ein geringer Trost ist, so untersuchen wir jetzt, wie wir die betroffenen Nerzzüchter finanziell unterstützen können“, schreibt Frederiksen auf Facebook.

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