Nordjütland

Lockdown: Chaotischer Morgen in den Betrieben

Lockdown: Chaotischer Morgen in den Betrieben

Lockdown: Chaotischer Morgen in den Betrieben

Nordjütland
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Eine Mutation des Coronavirus bei Nerz hat den Lochdown in Nordjütland ausgelöst. Foto: Friedrich Hartung (Archiv)

Das Leben in sieben Kommunen in Nordjütland wird sich die kommenden vier Wochen grundsätzlich anders gestalten. Die Regierung hat tief in ihren Werkzeugkasten zur Bekämpfung der Corona-Krise gegriffen.

Offiziell treten die Maßnahmen in den sieben Kommunen in Nordjütland erst ab Montag in Kraft. Als Mette Frederiksen (Soz.) am Donnerstag um 18.30 Uhr vor die Presse trat, sprach sie jedoch die Empfehlung aus, sie sollten ab sofort gelten.

Daher hatte sich der Alltag für die Menschen in Nordjütland bereits Freitagmorgen grundsätzlich verändert. Und das soll bis vorläufig 3. Dezember auch so bleiben. Man soll nach Möglichkeit zu Hause bleiben, die Kommunengrenze soll nur für kritische Aufgaben überquert werden.

Für die sieben Kommunen gilt bis einschließlich 3. Dezember:

  • Die Kommunengrenze soll nur für kritische Aufgaben überquert werden
  • Schüler der 5. bis 8. Klasse sollen Fernunterricht bekommen.
  • Schüler der 0. bis 4. Klasse können weiterhin zur Schule gehen, dies gilt auch für die 9. Klasse.
  • Restaurants, Cafés und Kneipen müssen schließen.
  • Der öffentliche Nahverkehr wird eingestellt.
  • Theater, Kinos und Bibliotheken werden geschlossen.
  • Es gibt dort keine Ausnahmen mehr beim Versammlungsverbot. Es dürfen sich maximal zehn Personen treffen.

Der Direktor bei Fynbo Foods in der Gemeinde Hjørring, Richard Fynbo, hat die Pressekonferenz der Regierung genau verfolgt.

„Sie hat mehr Fragen aufgeworfen, als sie beantwortet hat. Es gab zu wenig Kommunikation darüber, was die Betriebe tun sollen. Ich fand nicht, dass es korrekt gehandhabt wurde. Ich habe geringes Verständnis dafür, dass es jedes Mal fünf vor zwölf geschehen muss. Dass man das eine Mal auf das andere diese chaotischen Situationen auslöst“, sagt er zu „Politiken“. Fynbo spricht auch als Vorsitzender des Gewerbeverbandes Dansk Industri in Vendsyssel.

Kommunengrenzen dicht

Bei den angekündigten Maßnahmen hieß es zunächst, dass die Betriebe sämtliche Mitarbeiter in nicht kritischen Funktionen nach Hause schicken sollten. Erst im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass Produktionsbetriebe offen bleiben können, solange nur Mitarbeiter aus der Kommune, in der der Betrieb liegt, kommen.

Bei der Geflügelschlachterei Danpo in der Kommune Vesthimmerland hat das am Morgen hektische Aktivität ausgelöst.

„Wir haben mit Sicherheit Mitarbeiter, die in die Kommune pendeln. Wir sind dabei, uns einen Überblick darüber zu verschaffen, wie viele in den sieben betroffenen Kommunen wohnen“, sagt der Marketingsdirektor von Danpo, Morten Nielsen, zu „Ritzau“.

Die Schlachterei setzt darauf, die Produktion weiterlaufen zu lassen.

Möglicherweise Verlagerung ins Ausland

Auch der Rohrhersteller Logstor in der Kommune Vesthimmerland hat einen hektischen Morgen hinter sich.

„Wir haben Mitarbeiter aus einem großen Einzugsgebiet. Sie kommen aus betroffenen sowie aus nicht betroffenen Kommunen. Die Mitarbeiter aus der Kommune Vesthimmerland erscheinen, die übrigen nicht“, sagt HR-direktor Torben Reimer zu „Politiken“.

Der Betrieb untersucht jetzt, ob die Produktion ohne diese Mitarbeiter weiterlaufen kann, oder ob man sie in Fabriken des Konzerns im Ausland verlagern muss.

Keine Busse zwischen Kommunen

Ab Montag wird der öffentliche Verkehr über die Grenzen der betroffenen Kommune hinaus eingestellt. Bei der Verkehrsgesellschaft Nordjyllands Trafik arbeitet man hart daran, die Fahrpläne umzustellen.

„Es ist ein großes Puzzle mit vielen Teilchen, das wir da legen müssen“, sagt Kundenchefin Mette Henriksen zu „TV2 Nord“.

Tests für alle

Die Regierung empfiehlt, dass sich sämtliche Bürger in den sieben Kommunen testen lassen. Die Region Nordjütland bereitet sich auf den Ansturm vor. Zunächst wird am Sonnabend in den Kommunen Frederikshavn und Thisted getestet.

„Wir haben die notwendige Kapazität, um alle testen zu können, aber nicht am selben Tag“, sagt der Testverantwortliche der Region, Jan Nybo, zu „Nordjyske“.

Die sieben betroffenen Kommunen sind Jammerbugt, Vesthimmerland, Læsø, Frederikshavn, Hjørring, Thisted und Brønderslev.

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