Leitartikel

„Radwege für Stadt und Land“

Radwege für Stadt und Land

Radwege für Stadt und Land

Apenrade/Aabenraa
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„Nordschleswiger“-Redakteur Volker Heesch befasst sich mit der gerade aus Gründen des Klimaschutzes und der Gesundheitsförderung nötigen Förderung des Radfahrens. Beim Ausbau des Radwegenetzes gibt es seiner Meinung nach vor allem auf dem Lande noch viel zu tun.

Der dänische Transportminister Benny Engelbrecht (Sozialdemokraten) präsentierte in der vergangenen Woche eine politische Vereinbarung mit dem Kreis der Unterstützerparteien der Regierung. 520 Millionen Kronen werden zweckgebunden für den Bau neuer Fahrradwege vor allem entlang von staatlichen Landstraßen, aber auch an Straßen in kommunaler Regie bereitgestellt.

Erfreulicherweise sind unter den Radwegeprojekten auch einige in Nordschleswig, wie ein Abschnitt entlang der vor allem in der Urlaubssaison sehr stark von Autos befahrenen „Westküstenmagistrale“ Tondern-Scherrebek und eine Unterführung bei Toftlund. Gleich nach dem Bekanntwerden der Verständigung gab es auch Kritik, denn die Mittel fließen nur in 16 Kommunen. Und es wurde gemeckert, dass der Großteil der Mittel für Projekte entlang der Staatsstraßen reserviert ist.

So stellte der bekannte Verkehrsforscher von der Universität Aalborg, Harry Lahrmann, fest, dass man das Geld besser für Radwege an kommunalen Straßen verwenden sollte, denn diese würden durchweg stärker von Radfahrerinnen und Radfahrern frequentiert.

Als Radler in Nordschleswig fällt einem da eher die Erkenntnis ein, dass es leider im gesamten Landesteil, vor allem in Bereichen in einiger Entfernung von den größeren Orten jede Menge Landstraßen, seien sie nun in staatlicher oder kommunaler Regie, gibt, auf denen kaum Fahrräder zum Einsatz kommen, weil sie keinen Radweg besitzen – und vor allem immer stärkeren Autoverkehr aufweisen, aufgrund steigender Anzahl Autos und weiter zunehmendem Pendeln zu Arbeitsplätzen und Schulen.

Nicht wenige Erwachsene trauen sich nicht einmal, die Strecke zum benachbarten Dorf oder bis in die nächste Stadt per Rad zu bewältigen. Kinder werden aus Sicherheitsgründen schon gar nicht auf solche Strecken gelassen, auf denen ein überholender Lastwagen einem schon mal die Mütze vom Kopf saugt. In Nordschleswig versuchen die Kommunen mit den leider zu geringen Mitteln für Fahrradwegausbau, die Wünsche vieler Bürger und Initiativen zu erfüllen, die sich oft schon seit Jahrzehnten sehnlichst „ihren“ Fahrradweg wünschen. Aber offenbar ist, landespolitisch betrachtet, der Eifer nach wie vor größer, immer mehr Autobahnen und teilweise atemberaubend teure Brückenprojekte zu verwirklichen, statt den Etat für Radwege zu stärken.

Wer Beispiele wie den nach jahrzehntelangen Bemühungen gebauten Radweg Tondern-Hoyer betrachtet, kann feststellen, dass dieser seit seiner Eröffnung unglaublich stark genutzt wird. Oft von Leuten aus Mögeltondern, die ihre Besorgungen in Tondern per Zweirad, oft auch mit Elektroantrieb, erledigen. Vielfach wird eine Autofahrt unterlassen, zum Vorteil des Klimas, denn jede Autotour ist weiterhin meist mit dem Ausstoß von Treibhausgasen verbunden. Aber auch Urlauber und Einheimische unternehmen per Rad Ausflüge über den Radweg ans Wattenmeer. Verkehrsforscher Lahrmann stellt fest, dass es wohl wirtschaftlich sinnvoller gewesen wäre, die halbe Milliarde Kronen für Radwege in den Städten zu investieren statt auf dem Lande, wo die Zahl der Nutzer begrenzt sei.

Eine solche Argumentation bringt die Menschen in Nordschleswig natürlich in Rage, denn sie hat über Jahrzehnte zum Verlust vieler öffentlicher Einrichtungen geführt und den Ausbau von Infrastruktur ausgebremst. Zu erinnern sei daran, dass jede dritte Autofahrt in Dänemark kürzer als fünf Kilometer ist, also bei Förderung des Radverkehrs ohne Umstieg auf Elektroautos das Klima gefördert und die Abgasbelastung vermindert werden kann.

In Stadt und Land sind Konzepte erforderlich, um die seit Jahren noch immer größere Dominanz des Autoverkehrs zu verringern. Vor allem durch Tempo-30-Zonen in den Ortschaften. Dazu zählen auch Ideen wie von der Schleswigschen Partei (SP) in Apenrade präsentiert, anstelle von in absehbarer Zeit nicht realisierbaren Radwegen auch kleine Verbindungs- und Feldwege im ländlichen Raum als Fahrradrouten zu deklarieren.

Auch sind an gefährlichen außerörtlichen Strecken Tempobegrenzungen und Überholverbote für Autos erforderlich, denn auch auf den Landstraßen sind alle Verkehrsteilnehmenden gleichberechtigt. Mehr Initiative ist auch nötig, die Mitnahme von Rädern in Bussen und Zügen zu erleichtern. So dürfen Reisende in Arriva-Zügen ihre Drahtesel kostenlos mitnehmen.

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