Leitartikel

„Minks, Käfighühner und Tierschutz“

Minks, Käfighühner und Tierschutz

Minks, Käfighühner und Tierschutz

Kopenhagen
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Bei der Diskussion über die Tötung der Nerze hat mehr oder weniger unterschwellig auch die Diskussion über den Tierschutz mitgeschwungen. Diese Diskussion sollte jedoch nicht bei den Nerzen stehenbleiben, meint Walter Turnowsky.

Die Tötung aller Minks in Dänemark dürfte wohl unwiderruflich sein. Kaum jemand stellt sich allen Ernstes vor, dass die Nerzproduktion 2022 wieder anläuft. Es wird politisch kaum durchsetzbar sein.

Dies mag man je nach Temperament begrüßen oder bedauern. Tierschutzverbände haben seit Jahren diese Form der Tierhaltung kritisiert. Dennoch hat es in Dänemark nie eine ernsthafte Diskussion über eine denkbare Abwicklung der Nerzzucht gegeben. Nun hat die Corona-Krise dies defacto herbeigeführt.

Doch sollte diese Diskussion nicht bei den Nerzen steckenbleiben. Denn auch bei anderen Formen der Tierhaltung weisen Tier- und Umweltschützer auf schwerwiegende Probleme hin.

Eine der konsequentesten Antworten darauf haben wohl die Veganerpartei und der Tierschutzverband Anima, die beide für einen Verzicht auf tierische Produkte plädieren. Diese radikale Position ist jedoch derzeit in keiner Weise mehrheitsfähig. Ob sie es irgendwann wird, muss sich zeigen.

Daher braucht es Diskussionen darüber, wie wir zumindest die offensichtlichsten Probleme der Massentierhaltung angehen.

Hier hat das Folketing am Donnerstag einen wichtigen Schritt getan. Die Einheitsliste hat einen Antrag eingebracht, nachdem die Produktion von Käfigeiern ab 2022 verboten werden soll. Ganz so schnell möchte die Regierung nicht vorgehen, doch sie tritt ebenfalls für ein Verbot ein. Dies solle „so schnell wie möglich“ geschehen.

In Wahrheit haben wir, die Verbraucher, in dieser Frage die wichtigsten Schritte bereits getan. Der Anteil der Käfigeier beträgt nur mehr zehn Prozent des gesamten Verkaufs. Die großen Supermarktketten haben sie aus den Regalen entfernt. Eier von Batteriehühnern finden sich weitgehend nur noch in verarbeiteten Nahrungsmitteln.

Es ist also durchaus realistisch, innerhalb eines kurzen Zeitraums gänzlich auf diese Form der Tierhaltung zu verzichten. Und dies kann in einem konstruktiven Dialog mit der Branche geschehen.

Ähnlich sieht es bei den sogenannten „Turbohähnchen“ aus, die in lediglich einem Monat ein Gewicht von 2 Kilogramm erreichen. Auch diese verschwinden allmählich aus den Regalen der Supermarktketten. Hier hat das Folketing am Donnerstag ebenfalls ein Verbot beraten.

Doch weitere Probleme gilt es zu diskutieren und anzugehen. Welche Form der Schweineproduktion wünschen wir? Wie begegnen wir dem Problem der Antibiotika-Resistenz? Wie sollen unsere Milchkühe, Rinder und Kälber gehalten werden? Wie sieht es mit den Tiertransporten aus?

Und vielleicht die schwierigste Frage: Wie viel und welche Tierhaltung verträgt das Klima?

Auch ist die Frage zu stellen, welchen Raum die ökologische Landwirtschaft einnehmen soll. Hier gelten bekanntlich striktere Regeln beim Tierschutz.

Hierbei ist ganz zentral, dass wir diese Diskussionen vor allem auch mit den Landwirten führen. Wir sollten Respekt davor zeigen, dass wir in diesem Land viele gewissenhafte Bauern haben, für die die Landwirtschaft mehr als lediglich eine Arbeit ist, es ist Lebensinhalt und Lebensweise.

Damit geht man nicht leichtfertig um. Und wenn wir uns zu einer Abwicklung von weiteren Produktionsmethoden entscheiden, soll dies auf solider fachlicher und rechtlicher Grundlage geschehen. Eine passende Übergangszeit und Entschädigung sollten ebenso selbstverständlich sein.

Wenn wir es auf eine intelligente und konstruktive Weise angehen, können alle davon profitieren: die Landwirte, die Verbraucher, der Export, der Tierschutz, die Umwelt und das Klima.

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