Nerztötung

EL: Zu spät und zu langsam

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EL: Zu spät und zu langsam

Kopenhagen
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Nerze, die am Freitag auf einer Farm bei Næstved getötet worden sind Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Staatsministerin Mette Frederiksen ist davon überzeugt, die Regierung habe bei der Verbreitung von Corona bei Nerzen rechtzeitig Vorsorge getroffen. Die Einheitsliste sieht das ganz anders.

Bereits seit September warnt das Staatliche Serum Institut (SSI), dass die Corona-Infektion bei Nerzen ein „ernsthaftes Risiko für die Volksgesundheit“ darstellte.

Daher hat die Einheitsliste frühzeitig gefordert, alle erkrankten Nerze sollten gekeult werden.

„Es ist für mich unverständlich, dass man auf so eindeutige Warnungen nicht deutlicher reagiert hat. Jetzt haben wir durch die mutierten Viren ein Risiko nicht nur für die Volksgesundheit in Dänemark, sondern auch global“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Peder Hvelplund, dem „Nordschleswiger“.

Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) dagegen meint, man habe „rechtzeitige Vorsorge“ getroffen.

„Es (die Infektion bei Nerzen, Red.) wurde ernst genommen. Aber ich möchte sagen, der Beschluss, alle Nerze zu töten, der ein großer und schmerzhafter Beschluss ist, erfordert unserer Ansicht nach, dass es eine ausreichende Risikoeinschätzung gibt. Diese erhielten wir am Montag“, sagte sie auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

„Brenzlige Lage“

Hvelplund teilt diese Einschätzung in keiner Weise.

„Im September waren zunächst nur 20 Farmen infiziert. Hätte man damals begonnen, die infizierten Nerze zu töten, dann wären wir jetzt nicht in dieser brenzligen Lage“, meint er.

Vergleicht man die Einschätzung des SSI vom 18. September mit der vom 3. November (siehe Infobox), erkennt man, dass die Experten in beiden Fällen vor einem „ernsthaften Risiko für die Volksgesundheit“ und vor einer Gefährdung der Impfstoffe warnen.

Frederiksens Lacher

Im September hatte die Regierung auch infizierte Nerze noch nicht töten wollen.

„Es ist korrekt, dass sowohl der Regierung als auch dem Folketing bekannt war, dass es ein Risiko bei der Nerzproduktion bezüglich Covid-19 gibt. Daher sind während dieses Prozesses auch laufend eine Reihe Beschlüsse gefasst worden, um die Infektion einzudämmen“, antwortet Frederiksen auf die Frage, warum man nicht weitreichendere Maßnahmen ergriffen habe.

„Es hat sich dann herausgestellt, dass diese Strategien unzureichend gewesen sind. Montag wurde uns dann eine Risikoeinschätzung vorgestellt, die einen solchen Charakter hat, dass es unseren Augen nur die eine Möglichkeit gab, nämlich die Tötung sämtlicher Nerze zu beschließen.“

„An eben dem 18. September, als diese Notiz veröffentlicht wird, fertigst du eine Frage zur Nerztötung ab und belustigst dich ein wenig darüber. Habt ihr rechtzeitige Vorsorge in dieser Frage walten lassen?“

„Bei der konkreten Pressekonferenz habe ich die Frage nicht abgefertigt. Ich habe auch nicht darüber gelacht. Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde nach einer technischen Erläuterung gefragt, und die bat ich, den Direktor des Serum Instituts zu geben.“

Risikoeinschätzungen des SSI

18. September

„Die weitere Entwicklung des Virus in Nerzen mit immer mehr Mutationen im Spike-Protein und dessen weitere Ausbreitung durch die Ansteckung von Menschen in Dänemark birgt ein potenzielles Risiko für die Volksgesundheit und für die zu erwartenden Wirkungen eines Impfstoffes in sich.”

3. November

„Eine Fortsetzung der Nerzzucht während der Covid-19-Epidemie birgt ein bedeutsames Risiko für die Volksgesundheit in sich, hierunter auch für die Möglichkeit, Covid-19 mit Impfstoffen vorzubeugen.“

Die „technische“ Frage, auf die Frederiksen verweist, war, warum die Regierung nicht der Aufforderung der Einheitsliste und des Bürgermeisters von Hjørring folge, die infizierten Nerze töten zu lassen. Auf dem Video von der Pressekonferenz ist deutlich zu hören, dass Frederiksen über die Frage lacht.

Am Mittwoch der vergangenen Woche ordnete Frederiksen dann die Tötung sämtlicher Nerze an, eine Order, die sich als illegal herausgestellt hat.

„Hätte man im Sommer die Tötung der infizierten Nerze nicht eingestellt oder hätte man zumindest reagiert, als die Infektion sich auf den Farmen ausbreitete, würden wir uns heute in einer anderen Situation befinden, wo nicht dieselbe Hast geboten wäre“, so Hvelplund.

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