Freundschaftsjahr 2020

Tyskland-Ausstellung feierlich eröffnet

Tyskland-Ausstellung feierlich eröffnet

Tyskland-Ausstellung feierlich eröffnet

Annika Zepke
Kopenhagen
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Königin Margrethe bei der Eröffnung der Sonderausstellung unter anderem mit Kulturminister Rasmus Prehn, Bundesaußenminister Heiko Maas und Museumsdirektor Rane Willerslev Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Königin Margrethe II. hat am Freitag die Sonderausstellung „Tyskland“ im Nationalmuseum in Kopenhagen feierlich eröffnet. Aus Deutschland kam Außenminister Heiko Maas.

Pünktlich um 11 Uhr wurde die dänische Königin vor dem Museum von Museumsdirektor Rane Willerslev, dem dänischen Kulturminister Rasmus Prehn, dem deutschen Botschafter Detlev Rünger und dem deutschen Außenminister Heiko Maas begrüßt.

Anschließend wurde die Delegation, zu der auch der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, gehörte, von den Kuratoren Barrie Cook vom British Museum, Mikkel Venborg-Pedersen und Per Kristian Madsen durch die Ausstellung geführt.

In den Eröffnungsreden von Museumsdirektor Willerslev, Außenminister Maas und Kulturminister Prehn stand dann vor allem die tiefe kulturelle Verbundenheit zwischen Dänemark und Deutschland im Vordergrund.

So betonte Museumsdirektor Rane Willerslev in seiner Rede, dass viele Dinge, von denen man glaubt, sie seien dänisch, in Wahrheit aus Deutschland stammen. Als Beispiele nannte er unter anderem den Weihnachtsbaum, „Glade jul, dejlige jul“, die dänische Version des weltweit bekannten deutschsprachigen Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“, aber auch für die Kartoffeln, die mit den „Kartoffeldeutschen“ gekommen sei, bedankte er sich.

Auch die sprachliche Verbundenheit der beiden Länder hob er hervor. Nichtsdestotrotz merkte er an, dass diese Verbundenheit unter dem Nationalsozialismus stark gelitten hat. Erst nach dem Mauerfall vor 30 Jahren habe man sich wieder angenähert. In Bezug auf die Ausstellung sagte er daher: „Ich hoffe, dass wir auf diese Weise das Interesse unseres Publikums wecken können, noch tiefer in die kulturelle Vielfalt Deutschlands einzutauchen und das mentale Tor zwischen unseren Ländern zu öffnen.“

Am Rande der Ausstellungseröffnung hatten die Vertreter der deutschen Minderheit in Nordschleswig, BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen und BDN-Generalsekretär Uwe Jessen, die Möglichkeit, ein Gespräch mit Außenminister Heiko Maas und dem deutschen Botschafter in Dänemark, Detlev Rünger, zu führen. Foto: Zahn/Photothek

Deutschland aus dänischer Perspektive

Jonathan Williams, stellvertretender Direktor des British Museums, bedankte sich in seiner Rede für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Britischen Museum, das die Ausstellung 2014 erstmals unter dem Namen „Germany: Memories of a Nation“ kuratiert hatte, und dem dänischen Nationalmuseum. Er freute sich, dass mit der Ausstellung nun auch aus dänischer Perspektive die Kultur und Geschichte Deutschlands gefeiert und den Besuchern vermittelt werde.

Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas hob die tiefe Verbundenheit zwischen Deutschland und Dänemark in seiner Rede hervor. Doch auch er erwähnte, dass die Beziehung viele Jahre lang von den Verbrechen der Nazi-Zeit belastet gewesen sei. Mit Blick auf die Deutschland-Ausstellung sagte er: „Auch heute noch ist es ein Wagnis, einen Blick auf Deutschland zu wagen – und das ohne thematische Einschränkung – und nur schlicht Tyskland als Titel (der Ausstellung; Anm.) zu wählen. Und ganz offen zu fragen: Was ist eigentlich dieses Deutschland zwischen Romantik und Nationalsozialismus, zwischen Reformation und Wirtschaftswunder.“

„Pflichtprogramm für alle Dänen“

Umso mehr wisse er jedoch zu schätzen, dass Deutschland mitsamt seinen vielen Fassetten, das selbst für Deutsche schwer zu verstehen sei, im Nationalmuseum in Kopenhagen nun eine ganze Ausstellung gewidmet werde. Außerdem bedankte er sich ausdrücklich – und sogar auf Dänisch – bei Königin Margrethe, die Deutschland seit vielen Jahren als vertrauensvolle Beraterin zur Seite stehe. „Tusind tak, Deres Majestæt“, sagte er. Der Ausstellung und dem Nationalmuseum wünsche er vor allem eines: ganz viele neugierige Besucher.

Auch der dänische Kulturminister kam bei der Eröffnungsfeier zu Wort. Er erklärte, dass Deutschland Dänemarks wichtigster Handelspartner und größter Exportmarkt sei und er sich daher besonders freue, dass nun die Ausstellung „Tyskland“ in Kopenhagen eröffne. Seiner Meinung nach sei die Ausstellung daher „ein Pflichtprogramm für alle Dänen und Schulkinder in Dänemark“.

Offizielle Eröffnung durch Königin Margrethe II.

Der deutsch-österreichische Autor Daniel Kehlmann, der unter anderem den Erfolgsroman „Die Vermessung der Welt“ schrieb, befasste sich in seiner Rede mit der Frage, was es eigentlich bedeutet, Deutsch zu sein. Von seinem Großonkel Friedrich über Goethe, Kleist, Kant und Bach bis hin zu Luther, Käthe Kollwitz, Bertolt Brecht und Thomas Mann – an die Werke und Taten all dieser geschichteschreibenden Persönlichkeiten, erklärt er, muss er denken, wenn er sich fragt, was deutsch ist. Doch seine Rede ist keine reine Lobeshymne auf die deutsche Kultur, sondern eine kritische Reflektion der deutschen Geschichte. „Es hätte in Deutschland alles anders ablaufen können. Nichts ist notwendig, auch nicht der Opportunismus“, sagte er.

Das letzte Wort der Eröffnungsfeier hatte Königin Margrethe II. Sie nannte die Ausstellung „eine spannende Erfahrung“ und bedankte sich ausdrücklich bei allen Beteiligten für die geleistete Arbeit. Anschließend erklärte sie die Ausstellung „Tyskland“ für offiziell eröffnet.

Musikalisch untermalt wurde die Eröffnungsfeier mit einer Musik-Einlage, bei der Deutschland und Dänemark sich einmal mehr trafen: Die deutsche Sängerin Lary gab einen ihrer Songs unter der instrumentalen Begleitung des dänischen Kammerorchesters zum Besten.

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