Gesellschaft

Weniger Kinder in Dänemark wachsen in Armut auf

Weniger Kinder in Dänemark wachsen in Armut auf

Weniger Kinder in Dänemark wachsen in Armut auf

dodo/Ritzau
Kopenhagen
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Sei zwei Jahren ist die Kinderarmut in Dänemark rückläufig. Foto: dpa/(Symbolfoto)

Seit zwei Jahren geht die Kinderarmut in Dänemark zurück. Derzeit lebt noch jedes 20. Kind unter der Armutsgrenze. Die Corona-Krise könnte den positiven Trend bremsen, warnt ein Experte.

Im zweiten Jahr in Folge hat die Kinderarmut in Dänemark abgenommen. Die Zahl der betroffenen Kinder sank im vergangenen Jahr um 1.500 auf 59.700. Das zeigen jüngste Zahlen der gewerkschaftsnahen Denkfabrik Arbejderbevægelsens Erhvervsråd (AE).

Umgerechnet auf die 59.700 Kindern, lebte 2019 jedes 20. Kind in Dänemark in Armut.

„Es ist positiv, dass etwas weniger Kinder die Herausforderungen meistern müssen, die mit dem Leben in Armut verbunden sind. Die große Unsicherheit ist, welche Auswirkung die Corona-Krise haben wird, denn unsere Studien haben gezeigt, dass Ungelernte und Menschen mit einer schwachen Verbindung zum Arbeitsmarkt am schwersten betroffen sind", sagt Lars Andersen, Direktor von AE, zur Zeitung „Kristeligt Dagblad“.

In Dänemark gilt man als arm, wenn das Einkommen unter dem mittleren Durchschnittseinkommen liegt. Für eine Familie mit zwei Kindern bedeutet dies nach den jüngsten Berechnungen von Danmarks Statistik, dass ein Einkommen von unter 20.521 Kronen nach Steuerabzug im Monat vorliegt. Von diesem Betrag müssen unter anderem Mietkosten, Wasser, Strom, Versicherungen, Essen und Kleidung gezahlt werden. Für Einzelpersonen ohne Kinder liegt die Armutsgrenze bei einem Nettoeinkommen von unter 117.000 Kronen im Jahr.

Laut Andersen haben vor allem die von der vorherigen Regierung gesetzten Obergrenzen für Sozialhilfe- und Integrationsleistungen Familien mit Kindern noch ärmer gemacht.

Die wirtschaftliche Hochkonjunktur im vergangenen Jahr scheint diesen Trend aber wieder umgekehrt zu haben.

Kein Grund für überschwängliche Freude

Trotzdem gebe es noch keinen Grund zu überschwänglicher Freude, meint die Vorsitzende der Sozialistischen Volkspartei (SF), Pia Olsen Dyhr.

„Es ist zutiefst unfair für Kinder, in Armut aufzuwachsen. Diese Kinder können nichts für die Situation der Familie, in der sie aufwachsen. Dennoch betrifft es sie, weil wir wissen, dass das Aufwachsen in Armut bedeutet, dass es diesen Kindern für den Rest ihres Lebens schlechter geht. Wir müssen das bekämpfen“, so Olsen Dyhr.

Laut AE lebten im vergangenen Jahr 248.000 Menschen in Dänemark unterhalb der Armutsgrenze. Damit sanken die Zahlen im zweiten Jahr in Folge, sie sind aber immer noch höher als 2015. Damals lebten 200.000 Bürger in Armut.

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