Leitartikel

„Keine einfachen Lösungen“

Keine einfachen Lösungen

Keine einfachen Lösungen

Nordschleswig/Sønderjylland
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Die grüne Umstellung im Transportbereich ist eine wahre Herausforderung. Auch die Autokommission hat keine einfache Lösung gefunden, denn der Umstieg auf E-Autos ist und bleibt ein politisches Thema, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Dänemark möchte mehr für das Klima und die Umwelt tun. Daher sollen in Zukunft mehr E-Autos auf die Straße, während benzin- und dieselgetriebene Auto aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Das hört sich aber leichter an, als getan, denn dahinter versteckt sich ein Rattenschwanz an finanziellen und steuerlichen Voraussetzungen, die eine leichte Lösung erschweren.

Eine Autokommission hat seit eineinhalb Jahren an verschiedenen Szenarien gebastelt, wie sich die Umstellung gestalten lässt, und hat dabei festgestellt, je besser das Ergebnis für die Natur ausfällt, umso größer wird das Loch im Staatshaushalt. Das war wahrlich keine Überraschung. Überhaupt hat sich Dänemark bei der E-Mobilität schwergetan, weil der Staat durch jedes verkaufte E-Auto riesige Steuerverluste hat. Herkömmlichen Autos werden in Dänemark nämlich immer noch Abgaben in Höhe von 180 Prozent auferlegt – E-Autos im Wert von bis zu 400.000 sind fast steuerfrei.

Im vergangenen Jahr gab es ein politisches Wettrennen, bei dem die Sozialdemokraten 500.000 E-Autos bis 2030 forderten, während Venstre eine Million elektrisch betriebene Fahrzeuge auf den Straßen wollte. Venstres Vorschlag würde den CO2-Ausstoß um 1,5 Millionen Tonnen reduzieren – die sozialdemokratische Lösung nur um 0,2 Millionen Tonnen. Allerdings kostet Venstres Lösung 5,7 Milliarden Kronen, während der S-Vorschlag finanziell ausgeglichen ist.

Die Autokommission legt sich daher zwischen die beiden politischen Vorschläge und bekommt für 2,4 Milliarden Kronen, 750.000 E-Autos und 0,9 Tonnen weniger CO2. Was immer noch ziemlich wenig ist, denn die Gesamtmenge des CO2-Ausstoßes durch Autos beträgt in Dänemark sieben Tonnen.

Die Umstellung auf E-Autos ist also keine Lösung der Klima-Herausforderungen – aber es ist ein kleiner Beitrag, der auch nötig ist. Wobei die Autokommission nicht auf die Produktion von E-Fahrzeuge und deren Batterien eingegangen ist – das wäre vielleicht die Gelegenheit gewesen.

Besitzer von konventionellen Autos sollen möglicherweise bereits ab 2021 eine Krone mehr pro Liter Benzin bezahlen – und das ist der größte Haken an der Umstellung: Wer in der Provinz und auf dem Lande wohnt, wo nicht alle zehn Minuten ein Bus oder Zug fährt, finanziert die Umstellung.

Dabei haben Familien in Hoyer, Schauby, Fjelstrup oder Bülderup-Bau nicht zwei Autos, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil es einfach eine Notwendigkeit ist.

Deswegen ist die grüne Umstellung im Transportbereich nicht einfach, denn sie hat auch eine geografische Schlagseite, die eine Autokommission nicht lösen kann. Es ist nämlich ein politischer Beschluss, wie sich Dänemark ganzheitlich und balanciert entwickeln kann: Gleiche Möglichkeiten für alle Regionen des Landes.

Grüne Umstellung? Ja, klar – und es darf auch etwas kosten. Aber die Kosten müssen wir als Gesellschaft gemeinsam tragen. Schließlich lösen auch Autofahrer auf dem Arbeitsmarkt wichtige Aufgaben für die Gemeinschaft – sie wohnen nur nicht um die Ecke.

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