Deutschland/Dänemark

Umstrittene Gottesdienste

Umstrittene Gottesdienste

Umstrittene Gottesdienste

dpa/hm
Berlin/Kopenhagen
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Trotz regelkonformer Gottesdienste kam es in der Kirche von Havdrup, Seeland, zu 32 Corona-Infektionen, darunter auch die Pastorin Kristine Stricker Hestbech, die sich für eine Schließung der Kirchen zu Weihnachten ausspricht. Foto: Claus Bech/Ritzau Scanpix

Sind Weihnachtsgottesdienste in der Corona-Pandemie ein zu großes Risiko - oder als „Quelle des Trostes“ gerade jetzt dringend nötig? Die Meinungen dazu gehen in Deutschland weit auseinander und auch in Dänemark wird diskutiert.

Bund und Länder in Deutschland hatten in ihrem Lockdown-Beschluss am 13. Dezember vereinbart, dass Gottesdienste zu Weihnachten unter strengen Hygienevorgaben zulässig sind. Wie „tagesschau.de“ meldet, haben nun vor dem Hintergrund hoher Infektionszahlen vielerorts evangelische und katholische Gemeinden Präsenzgottesdienste zu Weihnachten abgesagt.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte, er traue den Menschen zu, selbst eine verantwortungsbewusste Entscheidung zu treffen. Dagegen sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, sie würde ein Gottesdienstverbot unterstützen. Auch der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst fordert, an Weihnachten keine Präsenzgottesdienste zuzulassen.

Sowohl evangelische als auch katholische Geistliche sprechen sich jedoch gegen generelle Absagen aus. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hält wenig von Verboten. Auch der katholische Bischof von Aachen, Helmut Dieser, verteidigt die Präsenzgottesdienste und vermutet, dass ein Besuch des Gottesdienstes weniger Virusgefahr birgt als zum Beispiel ein Einkauf im Supermarkt.

Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sprach sich ebenfalls gegen eine generelle Absage aus. Das müsse vor Ort entschieden werden, so Bedford-Strohm.

Wie das „Flensburger Tageblatt“ berichtet, hatten sich die Gemeinden in Flensburg am Dienstagmorgen noch ein letztes Mal vor dem Fest über ihre Vorhaben ausgetauscht. Voraussichtlich wird es nun in vier von fünfzehn Kirchen an Heiligabend einen Präsenzgottesdienst geben und zwar in St. Gertrud, St. Johannis, St. Marien, und St. Petri. Pröpstin Carmen Rahlf spricht laut „Flensburger Tageblatt“ von einer „großen Zerrissenheit“.

Verschärfte Regeln in Dänemark, aber kein Verbot

In Dänemark hat die Kirchenministerin am MOntag die Regeln für Gottesdienste verschärft. Doch fordert die Ratsvorsitzende der Hauptstadtregion, Sophie Hæstorp Andersen (Soz.) die Bürger in der Region auf, wegen der hohen Infektionszahlen keine Gottesdienste zu besuchen. Laut Nachrichtenagentur „Ritzau“ haben mehrere Angestellte der Volkskirche ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Gottesdienste zu weiteren Ansteckungen führen können.

Königin Margrethe wird jedoch laut „Avisen Danmark“ an einem Weihnachtsgottesdienst im Dom von Aarhus teilnehmen.

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