Mythos oder Wirklichkeit

Schlafen wir bei Vollmond tatsächlich schlechter?

Schlafen wir bei Vollmond tatsächlich schlechter?

Schlafen wir bei Vollmond tatsächlich schlechter?

Flensburg
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Foto: dpa

Mythos oder Wirklichkeit? Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob der Vollmond Auswirkungen auf unseren Schlaf hat.

Langsam geht die Sonne unter und die Nacht legt sich über die Stadt. Ein Wolf heult herzzereißend. Dann steigt der Vollmond auf und erleuchtet den dunklen Nachthimmel. Heute wird das wieder nichts mit dem Einschlafen! Doch stimmt dieser Mythos, dass wir bei Vollmond tatsächlich schlechter schlafen?

Schweizer Wissenschaftler bestätigt These

Jein. Das Phänomen wurde in der Wissenschaft schon mehrfach untersucht – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Eine der ersten Studien führte der Schweizer Professor Christian Cajochen durch. In seiner Mondstudie mit 33 Probanden an der Psychiatrischen Klinik Basel hatte er folgende Erkenntnis: Während der Vollmondphase verändert sich der Melatonin-Spiegel im Speichel der Schlafenden.

Außerdem stellte er fest, dass die Probanden etwa 20 Minuten kürzer schlafen.

Deutsche Wissenschaftler widerlegen These

Mit weitaus mehr Probanden – 1265 an der Zahl – wurde die Studie im Max-Planck-Institut für Psychiatrie erneut durchgeführt. Die Wissenschaftler untersuchten die Schlafdaten aus 2097 Nächten und konnten Cajochens These damit nicht bestätigen.

In der Berliner Charité wiederum wurde die Untersuchung durchgeführt, ohne dass die Probanden wussten, ob gerade Vollmond ist oder nicht. Dabei kam heraus, dass der Vollmond doch wieder Einfluss auf die Schlafqualität hat. Also – was stimmt nun?

Straßenlampe versus Mond

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Die Annahme, dass der Mond den Melatoninspiegel beeinflusst, kann nur bedingt für wahre Münze genommen werden.

Die Schlafforscherin Andrea Rodenbeck von der Charité Berlin sagt, dass der Vollmond nur 0,2 Lux an Helligkeit erzeugt. Eine Straßenlaterne dagegen gibt bis zu 100 Mal mehr Licht ab.

Psychische Ursachen

Dass man den leichten Anstieg der Helligkeit bei Vollmond trotzdem für seine Schlaflosigkeit verantwortlich macht, kann psychische Ursachen haben. Wer in einer Vollmondnacht schlecht geschlafen hat, kann das an einem Ereignis fest machen.

Diese „selbsterfüllende Prophezeiung“ prägt dann unbewusst eine Erwartungshaltung.

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