STARKE PSYCHISCHE BELASTUNG

Kinder leiden unter Corona-Regeln – das sind die Alarmsignale

Kinder leiden unter Corona-Regeln – das sind die Alarmsignale

Kinder leiden unter Corona-Regeln – das sind die Alarmsignal

Maximilian Matthies/shz.de
Berlin
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Die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu. Foto: Kinga Cichewicz/ Unsplash

Experten warnen vor einer enormen psychischen Belastung für Kinder durch die Corona-Regeln. Was Eltern wissen müssen.

Nach den Weihnachtsferien könnten die Schulen und Kitas in Deutschland weiter geschlossen bleiben. Erneut sind die jüngsten der Gesellschaft von ihren Freunden getrennt, müssen Zuhause bleiben und sind dort mit den Problemen ihrer Eltern in der Corona-Krise konfrontiert. Was macht das mit ihnen? Und auf welche Alarmsignale sollten Eltern achten?

Kinder leiden unter Corona-Regeln

Der Chefarzt der Clemens-August-Jugendklinik in Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta), Andreas Romberg, sieht in den Corona-Regeln einen Auslöser für psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen. "Wir spüren schon jetzt, dass die psychischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen besonders hoch sind. Die Betroffenen leiden unter anderem an schweren Depressionen und Angstzuständen", sagt Romberg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er rechne auch in Zukunft mit mehr psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen.

Der Lockdown und auch die verlängerten Ferien würden die Rückzugsräume von Kindern und auch Eltern verringern. Konflikte seien deswegen laut Romberg vorprogrammiert. Besonders Kinder und Jugendliche, die sich nur schwer in Gruppen integrieren können und zudem aus ärmeren Familien stammen, treffe es härter.

Kathrin Sevecke, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck, sieht Kinder vor allem durch ihr eigenes Bedrohungserleben belastet. Dazu zählten sekundäre Folgen der Corona-Krise wie beispielsweise wirtschaftliche Probleme der Eltern. Wie sehr Kinder die Situation zu schaffen mache, sei stark davon abhängig, wie Bezugspersonen auf die Krise reagierten.

UKE-Studie: Mehr Streit in Familien

Dass die Corona-Krise die Lebensqualität und psychische Gesundheit von vielen Kindern und Jugendlichen in Deutschland verschlechtert, zeigte auch eine Umfrage des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Demnach fühlten sich mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet. Stress, Angst und Depressionen haben zugenommen. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten habe sich fast verdoppelt.

In der Corona-Krise seien Kinder häufiger gereizt, hätten Einschlafprobleme und klagten über Kopf- und Bauchschmerzen. Auch Streit in der Familie käme häufiger vor, davon berichtete jedes vierte Kind. Das wissen auch die Eltern, die angaben, dass Streitigkeiten öfter eskalierten. Erschwerend kommt hinzu: Kinder achten weniger auf ihre Gesundheit. Sie essen mehr Süßigkeiten, machen weniger Sport und verbringen mehr Zeit am Handy oder vor dem Fernseher.

Auf welche Alarmsignale müssen Eltern achten?

Nicht immer werden depressive Episoden bei Kindern auch als solche erkannt. Es gibt aber Alarmzeichen, auf die Eltern schauen sollten.

„Wenn sich das Kind länger als vier Wochen anders verhält als sonst, sollten Eltern hellhörig werden“, sagt Dr. Ingo Spitczok von Brisinski, Facharzt für Kinder und Jugendpsychiatrie an der LVR-Klinik Viersen, in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Anzeichen für eine Depression könnten etwa sein, wenn ein Kind, das sonst immer Spaß mit Gleichaltrigen hatte, sich nur noch im eigenen Zimmer aufhält, keine Freude mehr empfindet und sich nicht mehr verabredet.

Spätestens handeln müssten Eltern, wenn ein Kind suizidale Gedanken hat und äußert. Dann sollten Erziehungsberechtigte die Hilfe einer kinder- und jugendpsychiatrische Praxis oder Klinik in Anspruch nehmen. Der Experte rät, lieber einmal zu oft Hilfe zu suchen, als einmal zu wenig.

Wie können Eltern noch helfen?

Wenn Eltern das Gefühl haben, ihre Kinder sind mit einer Situation oder Problemen belastet, können sie eine ganze Menge unternehmen. Hier sind einige Tipps:

  • Eltern sollten das Gespräch suchen. Dabei sollten sie nicht zu lange warten, sondern frühzeitig auf ihre Kinder zugehen und mit ihnen reden.
  • Probleme sollten erst genommen und Verständnis dafür gezeigt werden. Experte von Brisinski empfiehlt, Fragen zu stellen, was ein Kind gerade bedrücke oder auch was es positives erlebt habe. Als wichtiges Signal könnten Eltern aussenden, dass sie eine Situation sehr gut nachvollziehen könnten. Was Eltern hingegen unterlassen sollten, seien Sätze wie "Nun hab dich nicht so‘ oder ‚Guck mal, die Welt ist doch schön‘. Dann könnten sich Kinder missverstanden fühlen und komplett dicht machen.
  • Wichtig für Kinder sind auch gemeinsame Unternehmungen. Das können beispielsweise Spaziergänge oder Spielplatzbesuche sein. Zweites ist anders als im Frühjahr in vielen Bundesländern unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln auch im Lockdown möglich.
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