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Corona-Impfstoff wird verteilt - Von der Leyen: Bewegender Moment

Corona-Impfstoff wird verteilt - Von der Leyen: Bewegender Moment

Von der Leyen: Bewegender Moment

dpa/hm
Berlin/Brüssel/Kopenhagen
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Mitarbeiter verschiedener Logistikunternehmen nehmen den Corona-Impfstoff im Zentrallager von Nordrhein-Westfalen an. Der in kleine Fläschchen abgefüllte Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Foto: Mark Hermenau/Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen/dpa

Die Vorbereitungen für die Covid-19-Impfungen in Europa laufen auf Hochtouren. Ab Sonntag soll in Deutschland und Dänemark geimpft werden. Viele werden sich jedoch gedulden müssen.

In Deutschland und anderen Ländern Europas ist der erste Impfstoff gegen Covid-19 ausgeliefert worden. Rund zehn Monate nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa sollen die Impfungen an diesem Sonntag beginnen - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, Italien, Frankreich und zahlreichen anderen EU-Staaten. Als erste sollen besonders gefährdete Menschen das Präparat der Firmen Biontech und Pfizer erhalten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem bewegenden Moment der Einheit und einer europäischen Erfolgsgeschichte. „Die Impfungen werden dabei helfen, nach und nach zu unserem normalen Leben zurückzukehren“, sagte sie in einem am Samstag auf Twitter veröffentlichten Video. Sobald genügend Menschen geimpft worden seien, könne man wieder beginnen zu reisen, Freunde und Familie zu treffen und die Feiertage normal zu verbringen. „Aber bis dahin müssen wir weiter vorsichtig sein.“

„Heute ist Liefertag“

„Heute ist Liefertag“, sagte von der Leyen. „Und morgen beginnen die Impfungen gegen Covid-19 in der Europäischen Union.“ Nach ihren Angaben steht der Impfstoff zeitgleich in allen 27 EU-Staaten zur Verfügung. „Und die Menschen beginnen mit den Impfungen in Athen, in Rom, in Helsinki, in Sofia, wo auch immer.“ Bald schon würden weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen. „Lasst uns 2021 zu unserem Jahr der europäischen Erholung und Hoffnung machen.“

Deutschland ist laut Gesundheitsminister Jens Spahn gut auf die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes vorbereitet. „Die Impfzentren sind startklar, die Impfteams stehen“, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Gleichzeitig machte er klar, dass das Coronavirus mit dem Start der Impfaktion noch nicht besiegt ist. „Wir werden einen langen Atem brauchen, um diese Pandemie hinter uns zu lassen.“

In Deutschland wurde der Impfstoff am Samstag an die Bundesländer verteilt. Der Bund lässt mehrere Zehntausend Dosen der Firma Biontech an insgesamt 27 Standorte liefern. Von dort sollten sie an Impfzentren und mobile Teams verteilt werden, die dann am Sonntag die ersten Impfungen verabreichen sollen. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden.

Blick auf EU-Länder

In Italien erreichten die ersten Dosen des Biontech/Pfizer-Präparats unter Militärgeleit ihr Ziel in der Hauptstadt. Der Transporter sei am späten Freitagabend in einer Kaserne der Carabinieri im Norden Roms angekommen, bestätigte das Verteidigungsministerium. Auch in Österreich wurden die ersten Impfdosen ausgeliefert, sie kamen aus Belgien über Deutschland ins Land. Die etwa 10.000 Dosen seien ab dem Grenzübergang in Suben in Oberösterreich unter Polizeibegleitschutz in ein Lager in Wien gebracht worden, erklärten die Behörden. Der Impfstoff hat inzwischen außerdem Griechenland, Malta, die Niederlande, Polen, Tschechien, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland erreicht.

Impfbereitschaft in Deutschland bei zwei Drittel

Nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur wollen sich etwa zwei Drittel der Deutschen impfen lassen. 32 Prozent der Befragten gaben an, sich so schnell wie möglich impfen lassen zu wollen. Weitere 33 Prozent sind zwar ebenfalls dazu entschlossen, wollen aber trotzdem erst einmal mögliche Folgen der Impfung bei anderen abwarten. 19 Prozent haben sich gegen eine Impfung entschieden, 16 Prozent sind noch unentschlossen.

Hohe Bereitschaft in Dänemark

In Dänemark scheint die Impfbereitschaft höher zu sein. Laut einer Meinungsumfrage (1.013 Befragte) von Megafon im Auftrag der Medien TV2 und Politiken wollen 79 Prozent der Dänen sich impfen lassen. Damit gehört TV2 zufolge Dänemark zu den Ländern Europas, in denen die Impfbereitschaft am höchsten ist.

Bis Ende März sollen 11 bis 12 Millionen Impfdosen in Deutschland zur Verfügung stehen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6 Millionen Menschen reichen. Spahn geht davon aus, bis zum Sommer allen Bürgern in Deutschland ein „Impfangebot“ machen zu können - sofern weitere Präparate eine Zulassung erhalten. Neben dem Impfstoff von Biontech und seines US-Partners Pfizer spielt derzeit auch das Mittel des US-Unternehmens Moderna eine Rolle, über dessen Zulassung die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bis zum 6. Januar entscheiden will.

Der Deutsche Städtetag dämpfte die Erwartungen. „Es ist ein Anfang gemacht, aber der Spuk mit dem gefährlichen Coronavirus ist noch nicht vorbei“, sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Infektionslage sei derzeit weiterhin besorgniserregend und die Zeit für Massenimpfungen noch nicht gekommen. „Dafür gibt es zunächst viel zu wenig Impfstoff“, sagte Jung, der auch Oberbürgermeister von Leipzig ist.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sieht Deutschland „nicht ausreichend vorbereitet auf das Impfen“. Die FDP hätte sich eine klare gesetzliche Grundlage dafür gewünscht, weil so wichtige Fragen von Leben und Tod auf breitester Grundlage beschlossen werden sollten, sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Bei der Frage der Logistik sollten wir baldmöglichst über die Impfzentren hinaus auch den niedergelassenen medizinischen Bereich nutzen, damit wir schnell vorankommen beim Durchimpfen“, mahnte der FDP-Chef.

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