Gleichberechtigung

Die geschlechtsspezifische Lohnlücke klafft

Charlotte Hülser
Dänemark
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Foto: Stefan Boness/ Ritzau Scanpix

Zwischen Männern und Frauen herrscht noch immer keine Gleichberechtigung in Sachen Verdienst. Auf diese ungleiche Verteilung macht der „Equal Pay Day“ in Deutschland aufmerksam, doch was ist mit Dänemark?

Am vergangenen Montag war der „Equal Pay Day“, ein Aktionstag, mit dem auf die unterschiedlichen Gehälter von Männern und Frauen hingewiesen werden soll. Der 18. März wurde ausgewählt, weil er, würden Frauen genauso viel verdienen, wie Männer, der erste Tag dieses Jahres wäre, an dem Frauen überhaupt für ihre Arbeit bezahlt würden. So groß sind die Unterschiede beim Lohn in Deutschland noch immer.

Dänemark im mittleren Bereich

Auch in Dänemark klafft eine enorme geschlechtsspezifische Lohnlücke. Trösten könnte jedoch die Tatsache, dass sie im Vergleich zu unseren südlichen Nachbarn und auch der Europäischen Union geringer ausfällt. Laut der Europäischen Kommission liegt das unbereinigte geschlechtsspezifische Lohngefälle in Dänemark bei 15,1 Prozent und damit im Vergleich zu den Mittgliedstaaten der EU im mittleren Bereich, jedoch unter dem EU- Durchschnitt von 16,3 Prozent. Deutschland belegt in dieser Statistik einen der hinteren Plätze mit 22 Prozent. Diese Form der Rechnung steht allerdings in der Kritik, da, so die Kritiker, auch strukturelle Unterschiede wie beispielsweise Berufserfahrung oder Bildungsniveau mit berücksichtigt werden sollten.

Männer häufiger in Führungspositionen

Der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen liegen viele verschiedene Faktoren zu Grunde. Männer haben häufiger Führungspositionen inne, werden häufiger befördert und sind damit auch besser bezahlt als Frauen. Laut der Europäischen Kommission sind nur 6 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer Frauen. Auch übernehmen Frauen zusätzlich zu ihrem Beruf im größeren Maße wichtige unbezahlte Aufgaben, wie beispielsweise die Kinderbetreuung oder die Führung des Haushalts. Ganze 22 Stunden in der Woche, also fast vier Stunden täglich gehen Frauen unbezahlten Beschäftigungen nach und reduzieren ihre bezahlte Arbeitszeit auf Teilzeit, was sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht.

Frauen haben häufiger beschäftigungsfreie Phasen

Auch haben Frauen häufiger als Männer Phasen in ihrem Leben, in denen sie ohne Beschäftigung sind, was sich sowohl auf den Stundenlohn, als auch auf die zukünftige Absicherung und Verdienste auswirkt. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass Frauen in einigen Sektoren überrepräsentiert sind. Berufe im Bildungssektor oder im Verkauf sind meist frauendominiert und mit niedrigeren Löhnen bedacht, als männerdominierte Berufe, selbst wenn das gleiche Maß an Erfahrungen oder Ausbildung erforderlich ist. Zu guter Letzt trägt auch die eigentlich illegale Entgeltdiskriminierung zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle bei.

Das Geschlechtsspezifische Lohngefälle

„Das geschlechtsspezifische Lohngefälle ist der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn der männlichen und weiblichen Beschäftigten in allen Wirtschaftszweigen“ (Europäische Kommission). Dieser ist unbereinigt, das bedeutet, der durchschnittliche Stundenlohn aller Beschäftigten in sämtlichen Berufen wird miteinander verglichen. Hier liegt Dänemark mit 15,1 Prozent im mittleren Bereich, Deutschland mit 22 Prozent im hinteren Bereich der EU-Staaten, schlechter schneiden nur Tschechien und Estland ab.

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