100 Jahre Deutsche Minderheit

Übergang von Deutschland zu Dänemark

Übergang von Deutschland zu Dänemark

Übergang von Deutschland zu Dänemark

Hauke Grella
Nordschleswig
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Schülermütze Foto: Deutsches Museum Nordschleswig

Besonderheit im Landesteil: Sogenannte Abbau-Klassen

Mit der Volksabstimmung 1920 wurde nicht nur eine Grenze zwischen Deutschland und Dänemark definiert. Es ging nun darum, bestehende Strukturen in den dänischen Staat zu überführen. Und dies in nahezu allen Bereichen.

Dies galt auch für das höhere Schulwesen in Nordschleswig.
Bis 1920 hatte man in Sonderburg eine Oberrealschule und in Hadersleben, mit dem Johanneum, ein Gymnasium. In Tondern und Apenrade bestanden Pläne, die dortigen Schulen, auch zu Oberrealschulen auszubauen. Diese kamen aber nicht mehr zur Umsetzung.

Zur damaligen Zeit waren, im deutschen Schulsystem, Mädchen und Jungen noch getrennt. Deswegen gab es in Sonderburg und Apenrade Mädchenmittelschulen. In Tondern gab es eine höhere Mädchenschule; einigen vielleicht noch unter dem Namen Alexandrinenschule bekannt. In Hadersleben, an die dortige Mädchenmittelschule angegliedert, gab es ein Lyzeum. Also einfach gesagt, ein Gymnasium für Mädchen.

Diese bestehenden Formen galt es 1920, in das dänische System zu überführen. Dabei war sich Dänemark im Klaren darüber, dass dies nicht von einem zum anderen Tag übertragen werden könnte. Es mussten Übergangsformen gefunden werden.

1920 richtete der dänische Staat in den vier Städten Apenrade, Hadersleben, Sonderburg und Tondern Gymnasien ein. Schon in einem Erlass des dänischen Unterrichtsministeriums vom 19. April 1920 wird dabei auf die bevorstehende Übergangszeit eingegangen.

Abgangszeugnis A Foto: Deutsches Museum Nordschleswig

Es wird festgehalten, dass man dem Wunsch von Teilen der Schüler entsprechen wollte, ihren Schulverlauf in deutscher Unterrichtssprache fortsetzen zu können. Dies aber unter gewissen Voraussetzungen und Bedingungen. Dazu gehörte, dass man genügend Lehrer für den Unterricht finden würde. Dies sollte sich später nicht als Problem darstellen, da genügen Lehrer aus deutscher Zeit bereit waren, ihren Unterricht fortzusetzen.

Die Weiterführung sollte für die siebte Jahrgangsstufe und darüber möglich sein. Darüber hinaus gab es von staatlicher Seite eine Garantie, den Unterricht für die nächsten drei Jahre fortzuführen. Sollten aber in den jeweiligen Orten ähnliche kommunale oder private deutschsprachige Schulen errichtet werden, so konnte die Übergangsordnung auch früher beendet werden.
Die Idee hinter diesen „Abbau-Klassen“ war es, den Schülern entweder zu ermöglichen, einen Abschluss zu erlangen oder sich im Dänischen so zu üben, dass man im dänischen System hätte fortsetzen können. Dazu sollte neben dem Unterricht in deutscher Sprache auch ein Angebot gemacht werden, nebenbei Dänisch zu lernen.

In Tondern bestanden die „Abbau-Klassen“ bis Ostern 1923, also genau die angedachten drei Jahre. In Hadersleben und Sonderburg hatten diese noch Bestand bis Ostern 1924 und in Apenrade bis Ostern 1925. Damit war die Übergangsphase von dänischer Seite abgeschlossen. Für die deutsche Minderheit wurde die entstandene Lücke mit der Einrichtung des Deutschen Gymnasiums in Apenrade 1930 geschlossen.

Auf den Abbildungen sind einmal ein Abgangszeugnis und eine Schülermütze zu sehen.
Das Abgangszeugnis stammt von der Sønderborg Statsskole und ist auf den Namen A. G. Nissen ausgestellt. Unter dem Namen der Statsskole wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine Fortführung der Klassen der ehemaligen Sonderburger Oberrealschule handelt.

Die Schülermütze wurde von einen der letzten Abiturienten und der Abbauklasse des Haderslebener Johanneum getragen. Im Vergleich zur dänischen Studentenmütze wurden die „deutschen“ Schülermützen nicht erst zum bestandenen Abitur aufgesetzt. Sie wurden im Alltag getragen und dienten der Unterscheidung der unterschiedlichen Schulen und Klassenstufen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Die spinnen die Politiker“