100 Jahre deutsche Minderheit

KZ-Inhaftierte stellten sie her

KZ-Inhaftierte stellten sie her

KZ-Inhaftierte stellten sie her

Hauke Grella
Hauke Grella Museumsleiter
Sonderburg/Sønderborg
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Die Jul-Leuchter – heute ein Symbol für die Zwangsarbeit in Konzentrationslagern Foto: Privat

In Folge 53 der Serie „100 Jahre – 100 Gegenstände – 100 Geschichten“ geht es um die Jul-Leuchter der SS. Diese sollten christliche Symbole verdrängen.

Die Diskussion rund um die Gedenkstätte auf dem Knivsberg und den Umgang mit Kriegsverbrechern aus den Reihen der deutschen Minderheit wurde und wird auch im Rahmen des Deutschen Museums Nordschleswig mit Besuchern geführt. Grundsätzlich versuchen wir, die Diskussion in einen historischen Kontext einzubetten, damit die Besucher eine Idee davon bekommen, warum sich diese jungen Männer, größtenteils freiwillig, für den deutschen Kriegsdienst meldeten. Wie es dann im Einzelnen zu Kriegsverbrechen kam, ist sicherlich noch schwieriger nachzuvollziehen. Nichtsdestotrotz fragen die Besucher natürlich nach diesen Themen. Auch gesondert nach der Beteiligung an der Verfolgung und Massenvernichtung der Juden. Wie aber kann man diese Thematik in eine Ausstellung bringen und nicht nur mündlich mit den Besuchern diskutieren?

Eine mögliche Basis könnten Zeitzeugenberichte, Bildmaterial und eventuelle Exponate sein. Schwierig stellt es sich mit den Zeitzeugen dar. Selbst wenn man noch eventuelle Zeitzeugen befragen könnte, würden sie wirklich über Kriegsverbrechen und die Judenverfolgung berichten? Wenn überhaupt, so könnte man aus einigen Aussagen vielleicht ablesen, wie es zu Eskalation und Verrohung und schlussendlich zu Kriegsverbrechen kam. Dies ist Material, das im Deutschen Museum Nordschleswig vorliegt. Also Material, das nicht direkt die Kriegsverbrechen aufzeigt, aber vielleicht einen Einblick gewährt, wie es zu diesen Verbrechen kommen konnte.

Begleitschreiben zu einem Jul-Leuchter Foto: Privat

Materialien, die von der Judenverfolgung zeugen und direkt mit Nordschleswigern in Verbindung stehen, gibt es im Deutschen Museum Nordschleswig wenig. Damit ist nicht gesagt, dass Informationen über Massenvernichtung und Konzentrationslager nicht nach Nordschleswig kamen. Dies steht außer Frage! Aber in der Sammlung des Museums befinden sich nur wenige Dinge, die direkt damit verbunden werden können. So haben wir unter anderem Fotografien eines Freiwilligen der Waffen-SS. Diese zeigen Aufnahmen vom Kriegseinsatz in Osteuropa. Darunter auch Bilder, auf denen eindeutig Juden vor Soldaten der Waffen-SS knien und dessen Schuhe putzen. Im Gesichtsausdruck der Juden ist eindeutig die Bedrohlichkeit ihrer Situation zu sehen.

Weitere Gegenstände, die direkt mit den Konzentrationslagern und damit auch mit der Massenvernichtung der Juden im Zusammenhang stehen, sind die drei Jul-Leuchter in der Sammlung des Deutschen Museums Nordschleswig.

Diese waren Teil des Versuches der Nationalsozialisten, die christlichen Bräuche durch angeblich urgermanische Riten zu ersetzen. Dieser Versuch lässt sich allein schon am Sprachgebrauch ablesen. Statt Christkind und Christfest wurde in der nationalsozialistischen Zeit von Weihnachtsmann und der deutschen Weihnacht gesprochen. Weihnachten sollte durch das Jul-Fest ersetzt werden. Dieses leitete man aus den germanischen Sonnenwendfeiern ab und sollte eine Art Bekenntnisfeier mit Bekenntnis zu „Volk und Führer“ sein. Die SS-Runen ersetzten die christliche Symbolik, und der Jul-Leuchter sollte die Sonnenwende symbolisiert. Wie auf der Abbildung zu sehen, wurde diese Symbolik auch durch das Einarbeiten des Sonnenrades mit unterstützt. Darüber hinaus konnte und sollte der Jul-Leuchter aber auch bei anderen nationalsozialistischen Feiern eingesetzt werden.

Jul-Leuchter Foto: Privat

Dies geht aus dem Begleitschreiben für die Jul-Leuchter hervor wie auch die Information, dass man am letzten Tag des Jahres ein kleines Licht unter dem Leuchter platzieren soll. Am ersten Tag des neuen Jahres sollte man dann die Kerze, platziert oben auf dem Leuchter, entzünden und damit da neue Jahr begrüßen.

Die Jul-Leuchter wurden ab 1935 in den Konzentrationslagern Dachau und Neuengamme von den Inhaftierten hergestellt und waren zuerst als Geschenk von Heinrich Himmler an SS-Führer gedacht. Später erweiterte sich der Kreis. Deswegen steht in der Kopie des Begleitschreibens auch „An meine SS-Kameraden!“. Einige erreichten so auch ihren Weg nach Nordschleswig.

Ob die Empfänger über den Produktionsort der Leuchter Bescheid wussten, ist fraglich. Klar ist, dass sie heute als ein Symbol der in den Konzentrationslagern durchgeführten Zwangsarbeit stehen.

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