100 JAHRE DEUTSCHE MINDERHEIT

Erinnerung an ein Symbol

Erinnerung an ein Symbol

Erinnerung an ein Symbol

Hauke Grella
Apenrade/Aabenraa
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Gerhard Schmidt überreicht ein Aquarell von A. G. Nissen als Geschenk an die Königin. Foto: Privat

Der Besuch der dänischen Königin bei der deutschen Minderheit 1986.

Es steht außer Frage, dass wir in der deutsch-dänischen Grenzregion ein friedliches Miteinander zwischen Minderheiten und Mehrheiten erreicht haben. Einzelne Ereignisse sollten uns aber immer daran erinnern, dies nicht als gegeben hinzunehmen. Es muss täglich für den Erhalt und die Weiterentwicklung des guten Verhältnisses gearbeitet werden.

Man kann es als positives wie auch als negatives Zeichen auslegen, wenn historische Ereignisse aus dem Grenzland so in Vergessenheit geraten. Oftmals hat man das Gefühl, dass die Ereignisse vielleicht auch absichtlich „weichgezeichnet“ werden, um das Erreichte nicht zu stören und um keine alten Wunden aufzureißen. Dies ist in gewissem Maße auch nachvollziehbar. Aber natürlich haben wir als Museum einen anderen Auftrag, einen Auftrag, so gut wie möglich die Geschichte des Grenzlandes und der deutschen Minderheit zu erzählen und zu vermitteln. Kunstschaffende haben einen anderen Auftrag. Während der Vorbereitungen zum Jahr 2020 haben wir von verschiedenen Künstlern Besuch im Museum gehabt und Gespräche geführt, um die historischen Ereignisse rund um die Volksabstimmung 1920 aufzuzeigen. Es bleibt dann natürlich dem Einzelnen überlassen, wie er die Informationen umsetzt und in seine Projekte einfließen lässt.

Fakt ist, dass der Konflikt um die Grenze, mit der Volksabstimmung 1920, nicht beigelegt war. Verschiedene Kräfte zerrten in der Folgezeit an dessen Bestand, ob nun die dänische Flensburg-Bewegung oder die gerade entstandene deutsche Minderheit. Auch mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs endeten der Konflikt und das Gezerre nicht. Die deutsche Minderheit, gewissermaßen als Folge des Krieges, erkannte im November 1945 die Grenze von 1920 an. Südlich der Grenz wurde aber zu diesem Zeitpunkt daran gearbeitet, diese gen Süden zu verlegen. Dadurch und durch die Eindrücke des Zweiten Weltkriegs war an ein friedliches Miteinander, auch zu diesem Zeitpunkt, nicht zu denken.
Und auch die zu Recht gelobten Bonn-Kopenhagener Erklärungen sind nicht aus dem Geist des friedlichen Miteinanders entstanden, sondern sind ein Produkt der Weltpolitik gewesen. Ohne Frage haben die Erklärungen und die damit zusammenhängenden getroffenen Entscheidungen ihren Beitrag zu einer Normalisierung geleistet und den Weg bereitet.

Königin Margrethe Foto: Privat

Wann aber nun kam es wirklich zu einer markanten Verbesserung der Verhältnisse in Nordschleswig? Vielleicht bedurfte es erst eines Generationenwechsels? Hin zu einer Generation, die nicht federführend an den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs teilgenommen hatte? Die personelle Kontinuität innerhalb der deutschen Minderheit, schon vom Satiremagazin Æ Rummelpot 1950 aufgegriffen, fand in den 1970er Jahren ihr Ende. Die neue Generation konnte freier auf die Mehrheitsbevölkerung zugehen.

Nicht verwunderlich ist, dass der Besuch des dänischen Königshauses bei der deutschen Minderheit in der Zeit nach dem Generationswechsel gefallen ist. Bei dem Besuch 1986 wurde in dem Sinne nichts beschlossen. Aber in der Symbolik des Besuches liegt die Erwiderung dessen, was der Bund Deutscher Nordschleswiger, und damit die gesamte Minderheit, bei seiner Gründung am 22. November 1945 erklärte. Im ersten Punkt der Erklärung heißt es: „Als deutsche Nordschleswiger bekennen wir uns zur unbedingten Loyalität zum dänischen König, dem dänischen Staat und der jetzigen Grenze gegenüber und erstreben einen ehrlichen Frieden in unserer Heimat.“ Der Besuch des dänischen Königshauses honoriert somit die 1945 eingegangene Loyalität.

Der Besuch begann in der Sankt Nikolai Kirche in Apenrade. Nach dem Gottesdienst ging es weiter zur Deutschen Zentralbücherei in der Westerstraße. Nach der dortigen Begrüßung durch Gerhard Schmidt und einer Besichtigung der Bücherei ging es weiter nach Tingleff. In der Nachschule betrachteten die Gäste u. a. eine Ausstellung über die deutsche Minderheit, und es wurde zum Büfett geladen.

Zur Festveranstaltung in der Turnhalle mussten die Gäste eine Einlasskarte (siehe Abbildung) vorzeigen. Neben den Reden von Gerhard Schmidt als dem Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger und der Königin wurde ein vielfältiges kulturelles Programm dargeboten. Unter anderem von der Seniorentanzgruppe des Sozialdienstes Nordschleswig unter der Leitung von Hannemie Schmidt.

Von dieser Vorführung stammt der rechts abgebildete Rock. Dieser soll uns hier an eines der Symbole des friedlichen Miteinanders erinnern: an den Besuch des dänischen Königshauses bei der deutschen Minderheit im Jahr 1986.

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